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eBook Title
Die Tugend auf der Schaubühne oder: Harlekins Heirath; Ein Nachspiel in einem Aufzuge
Author Language Character Set
Justus Möser German ISO-8859-1


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_Harl._ Sehen Sie mich einmal recht an! und fühlen hier auf

meinen Rücken! He! he! he!

_Barth._ Bey meiner Ehre, ich sollte fast glauben, daß ich
hieher geschlagen hätte. Ich kenne ungefähr meinen Zug. Aber,
wie geht das in aller Welt zu?

_Kolombine._ O, mein lieber Harlekin, thun Sie mir den
Gefallen, und sagen mir, ob nicht ein wenig Hexerey mit
unterläuft?

_Harl._ Nun, was soll ich haben, wenn ich Dir das Geheimniß
entdecke?

_Kolombine._ Wir wollen auch oft Braut und Bräutigam mit
einander spielen.

_Harl._ Unvergleichlich! aber erst, mein liebes
Kolombinchen, mußt Du mir im Vertrauen sagen, warum Du so
gern die Braut spielest?

_Kolombine._ Das kann ich Ihnen nicht sagen; aber ich bin
denn so munter, so leicht, so aufgeräumt, so tanzend.

_Harl._ Hast Du wohl schon so recht im Ernste getanzt?

_Kolombine._ Nun, da Sie wieder so fragen, will ich das
Geheimniß gar nicht mehr wissen. Gehen Sie damit, und eröffnen
es meinem Cathrinchen.

_Harl._ Du sollst es nun aber wissen.

_Kolombine._ Nichts! Itzt durchaus nicht; und wenn Sie mir
auch tausend gerändelte Dukaten geben wollten.

_Harl._ Ich merke schon--

_Barth._ Vertrauen Sie es mir allein, Harlekin; bey Mädchen
sind die Geheimnisse ohnehin etwas lose verwahrt. Sie fallen
leicht aus der Hülse.

_Harl._ Hören Sie, Herr Barthold; und St! St! Kolombine,--
_ich_ war der Hauptmann von Astaroth. Ich hatte nur seinen Rock
hier über den meinigen gezogen. Ha! ha! ha!

_Barth._ Nimmermehr.

_Harl._ In der That. Aber kannten Sie mich nicht hier an
meinen bunten Hosen? Ha! ha! ha!

_Kolombine._ Ietzt besinne ich mich; ich sahe etwas davon
schimmern.

_Harl._ Gelt! mein guter Herr Barthold, ich habe Sie einmal
rechtschaffen angeführt? Ha! ha! ha!

_Barth._ Auf solche Art sollte der ehrlichste Mann betrogen
werden. Aber, ich bitte Sie tausendmal um Vergebung, daß ich
mich so nachdrücklich gegen Sie herausgelassen habe.

_Harl._ O! Sie haben gar nicht Ursache. Ich bin vielmehr
froh, daß es so gekommen ist; denn nunmehr bin ich versichert,
daß Kolombinchen die Krone von allen Iungfrauen ist. Meine
Scrupel sind nun alle weg.

_Kolombine._ Die meinigen gehen aber nun erst an.

_Harl._ O, mein allerliebstes Lockvögelchen, Du kannst mich
nur wieder ein Vierteljahr auf die Probe nehmen, ich bin es
gerne zufrieden. Wenn _Sie_ will, _ich_ will wohl.

_Kolombine._ Die Probe mögte schlecht ausfallen; ich weiß
schon, wie das geht.

_Harl._ Wie? Du weißt es wie das geht?

_Barth._ Haben Sie noch Scrupel?

_Harl._ Ach nein! aber Sie weiß wie das geht.

_Kolombine._ Ia, ich weiß wie das geht. Ein ehrliches
Mädchen, das einen Mann auf die Probe nimmt, muß ihn hernach
immer behalten; und das will ich nicht.

_Harl._ Höre, mein Schätzchen, wenn Du willst, so will ich
es Dir schriftlich geben, daß die Probe nicht länger als einen
Monat währen soll.

_Kolombine._ Bemühen Sie Sich nicht. Sie wissen, was Sie
mir zuvor sagten: Wenn die Comödie aus ist, so hat die Freyerey
ein Ende. Ich empfehle mich Ihnen ganz gehorsamst.
(Sie will abgehn.)

_Harl._ O Herr Barthold! Herr Barthold! das wäre zu viel,
erst Schläge, und nun gar einen Korb! Das ist eine Comödie und
auch keine Comödie.

_Barth._ Hier, Kolombine! Die Comödie ist noch nicht zu
Ende. Du weißt, sie muß allezeit mit einer Heirath schließen.

_Kolombine._ Nein, Papa! Das ist nicht nöthig; wir haben
viele Stücke auf unsrer Bühne, welche sich bloß mit Schlägen
endigen: und wenn es recht zugegangen wäre, so hätte Harlekin,
oder der Herr Hauptmann von Astaroth, auch damit zu Hause gehen
müssen.

_Barth._ Ich rathe Ihnen, mein lieber Harlekin, hier meiner
Tochter Ihre Scrupel öffentlich abzubitten.

_Harl._ O von Herzen gern! Siehe hier, mein Engels
Kolombinchen, ich liege hier vor Dir auf den Knieen, und
bitte öffentlich um Vergebung.

_Kolombine._ Sie müssen mir erst Ihr Schwert übergeben.
Es schickt sich nicht, daß Sie solches in dieser Stellung an
der Seite tragen.
(Er überreicht ihr seinen Säbel.)
Sie hätten verdient, Herr Hauptmann von Astaroth, daß ich Ihnen
jetzt mit Ihrem eigenen Säbel die Haut voll schlüge. --Weil Du
es aber bist, mein allerliebstes Harlekinchen, so will ich--

_Harl._ O kein: will ich nicht! kein will ich nicht!

_Kolombine._ So will ich--

_Harl._ Nun, so will ich--

_Kolombine._ So will ich die Strafe fürs erste noch
aufschieben--

_Harl._ Nur nicht bis in den Ehstand!

_Kolombine._ Aber mit der ausdrücklichen Bedingung: daß wir
noch immerfort alle Tage Braut und Bräutigam spielen.

_Harl._ O ja! o ja!

_Barth._ Ach, meine lieben Kinder, ihr wißt noch nicht, was
dazu gehört.

_Harl._ Wie? Herr Barthold, so bekomme ich ja alle Tage von
der braunen Kruste.

_Barth._ Die ist für eine tägliche Kost etwas zu hart; und
wenn man ein Stück zu oft wiederholt, so werden es sogar die
Zuschauer müde.

_Kolombine._ Sorgen Sie nicht, Papa; ich weiß schon, wie
Harlekin sie am liebsten ißt. Er kann es ja probiren, und
wenn er sie dann nicht mehr mag, so will ich ihm was anders
vorsetzen.

_Barth._ O du liebe Einfalt! aber kommt Kinder, weil der
Braten noch warm ist.

_Kolombine._ Ich bin fertig.

_Barth._ Ie nun; so wollen wir den Zuschauern eine
gesegnete Abendmahlzeit wünschen.

_Harl._ Und zur Probe, eine braune Kruste.
    
END OF BOOK

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