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Transkriptionsnotiz: Die folgenden Unregelmäßigkeiten wurden wie im
Original beibehalten:
"Harlekin's Heirath" tritt sowohl mit als auch ohne
Apostroph auf; ähnlich "Möser's Leben" in der
Fußnote _Funfzehnter_ hat keinen Umlaut;
"Siebenzehnter" ist so geschrieben
"jetzt" ist üblicherweise, aber nicht durchgehend,
"itzt" geschrieben.
Das gedruckte Buch ist in Fraktur ("Gothic") gesetzt.
Fremdsprachliche Wörter oder Phrasen sind in Antiqua
gesetzt und werden hier mittels *Asterisken*
wiedergegeben.
Transcriber's Note: The following irregularities are present in the
original text:
"Harlekin's Heirath" appears both with and without
the apostrophe; similarly "Moeser's Leben" in the
footnote.
"Funfzehnter" has no umlaut; "Siebenzehnter" is
written that way.
"jetzt" is usually but not always written as "itzt".
The printed book is in Fraktur ("Gothic") type. Four
foreign words or phrases are in Roman type and are
denoted in this transcription by being placed
between *asterisks*.
DIE TUGEND AUF DER SCHAUBÜHNE
oder: Harlekins Heirath
Ein Nachspiel in Einem Aufzuge
von
J. MÖSER
Berlin und Stettin,
bey Friedrich Nicolai
1798
Personen des Nachspiels:
_Herr Barthold_, Principal der Bühne.
_Kolombine_, seine Tochter.
_Harlekin_, Schauspieler.
_Scapin_, Schauspieler.
_Isabelle_, Schauspielerin.
_Valer_, Schauspieler.
_Peter_, Lichtputzer.
Der Schauplatz ist auf dem Schauplatze.
Die Tugend auf der Schaubühne;
oder:
HARLEKIN'S HEIRATH
Ein Nachspiel in einem Aufzuge*.
[Fußnot: Man sehe über dies scherzhafte Stück die Nachricht,
welche ich in _Möser's Leben S. 81 f._ davon gegeben habe. Da
es in seiner Art merkwürdig ist, habe ich es auch besonders
abdrucken lassen. R.]
Erster Auftritt.
Herr _Barthold_, _Harlekin_.
_Harlekin._ (macht drey tiefe Verbeugungen).
_Barthold._ Was will Er, mein guter Freund?
_Harl._ (Macht wieder einige Verbeugungen).
_Barth._ Bücke Er sich so lange bis Er müde wird, und
dann kann Er mir sagen was Er zu sagen hat. Die jungen Leute
gewöhnen sich das itzt so an, daß sie einem die Zeit mit
tausend Komplimenten verderben. Wenn man in meiner Iugend
zu einem Mann im Amte ging: so machte man ihm einen einzigen
Bückling, und kam dann zur Sache. Das war eine gute Mode;
dabey sollte man es lassen.
_Harl._ (in fremdem Ton) Hochedelgeborner und Gestrenger--
_Barth._ Damit geht schon wieder eine Minute hin.
_Harl._ Sie erlauben großgünstig--
_Barth._ Wieder eine Minute.
_Harl._ Daß ich mir die Freyheit nehme--
_Barth._ Noch _ein_ Wort von solchem Schlage, und ich
prügle Dich zum Dinge hinaus.
_Harl._ (im gewöhnlichen Ton) Ich komme, Herr Barthold,
wegen Ihrer jüngsten Tochter Kolombine; sie gefällt mir--
_Barth._ Gehorsamster Diener, gehorsamster Diener, mein
werthester Herr Harlekin! Verzeihen Sie, daß ich Sie sogleich
nicht gekannt habe. Meine Augen vergehen mir allmählich, und
Sie redeten mir in einem solchen Candidatenstil, den ich an
Ihnen nicht gewohnt bin.
_Harl._ Ich _kann_ heirathen, ich _muß_ heirathen, und ich
_will_ heirathen.
_Barth._ Nun, das ist kurz. Das sind drey Hauptursachen,
die nicht von allen Leuten so recht verstanden und empfunden
werden. Was gedenken Sie denn aber Ihrer künftigen Witwe zum
Leibgedinge auszusetzen?
_Harl._ Erstlich, gedenke ich nicht vor ihr zu sterben.
_Barth._ Das ist freilich ein guter Vorsatz; allein
Ausführung kommt bisweilen gar sehr auf die Frau an: diese
hat vielerley Mittel, einen ehrlichen Mann in die Grube zu
bringen, ohne Gift und Messer. Der meinigen habe ich es, Gott
sey Dank, abgesessen. Es war ein heller Gast; aber sie wurde
so eingetrieben, daß sie sich aus dem sieben und zwanzigsten
Kindbette nie wieder erholen konnte. Sie sehen, ich habe mich
wohl gehalten.
_Harl._ Das merke ich. Zweytens, hat sie, so lange ich
lebe, ein reichliches Auskommen. Meine Kunst als Harlekin hat
einen goldenen Boden, und Kolombinchen hat gewiß auch eine
Kunst worauf sie sich verlassen kann.
_Barth._ Ach, die Künste verlassen einen mit der Zeit,
und wenn man alt wird, so ist nichts bequemers als von seinen
Renten zu leben. Da ist ein Haufen Mühe und Sorge erspart.
_Harl._ Freylich, und ich denke eben deswegen ein Capital
zurück zu legen, wovon zweytausend Thaler auf den Witwenstuhl
kommen sollen, Nota Bene: wenn er keinen Haarbreit verrückt
wird.
_Barth._ Das ist etwas hart; eine Witwe ist zu beklagen.
Ich fühle, mein lieber Harlekin, wie sauer es mir in meinem
sieben und siebenzigsten Iahre wird, mich nicht bisweilen auf
einen hübschen weichen Witwenstuhl zu setzen.
_Harl._ Ich will es aber nun so; und darum gebe ich meiner
Witwe einen Stuhl mit vier Beinen, damit er recht feste stehe.
Zweytausend Thaler, wenn ich sie habe, sind, zum Henker, Geld.
Was Kolombine erspart, soll sie zu ihrem Nadelgelde behalten,
und wenn sie vor mir verstirbt, werde ich sie in ihrem besten
Hemde begraben lassen.
_Barth._ Aber Sie vergessen die Morgengabe.
_Harl._ Das bin ich selbst: Morgen- und Abendgabe. Bringt
mir aber Kolombine einen Sohn, wohl zu verstehen, wenn er mir
ähnlich sieht; denn das fordere ich ausdrücklich: so soll er
auch Barthold Harlekin heißen.
_Barth._ Ich dachte in der That, Sie wollten ihr sodann
ein neues Kleid aufs Kindbette legen. Hören Sie, Herr
Harlekin, ich habe der Mädchen viele, und schaffe sie mir
gern vom Halse, weil sie auf ihren spitzen Absätzen leicht
einmal unvorsichtiger Weise zu Falle kommen können. Ich will
also nicht lange handeln. Kolombine ist die Ihrige; und zwar
diesen Abend, wenn Sie wollen. Das bitte ich mir aber aus, daß
Sie sie nicht heimlich entführen; ich würde sonst auf Ihrer
Hochzeit nicht trinken können.
_Harl._ So weit sind wir noch lange nicht. Ich habe mich
nur erst vorläufig erkundigen wollen, ob Sie mir Ihre Tochter
wohl geben wollten, wenn ich *in forma* darum anhielte. Itzt
ist noch ein kleiner oder großer Punkt übrig. Sie wissen,
mein werthester Herr Barthold, daß man von den Comödiantinnen
mancherley sagt. Kolombinchen hat ein Paar so allerliebste
Tauben-Aeugelchen, sie hat so etwas, so etwas--ach, Herr
Barthold, ich kann es nicht sagen, aber was sie hat, das sagt
so viel--so viel--
_Barth._ Nun, wie viel denn?
_Harl._ Wenn eine Nuß leicht aus der Hülse fällt, ist sie
denn auch wohl schon vom Wurme gestochen?
_Barth._ Ist das eine Frage für eine klugen Mann? Die
Wurmstichigen sitzen allemal fest in der Hülse.
_Harl._ Ach, Herr Barthold, sollte sie es nicht schon wohl
versuchet haben?
_Barth._ Sie mag versucht haben was sie will, so hat sie
allzeit nur ihre Rolle gespielet. Ein Mädchen auf der Bühne muß
oft verliebt thun, oft küssen, oft lachen, und was dergleichen
mehr ist. Das bringt aber die Comödie so mit sich. Wenn
Kolombine die verschmitzte Buhlerinn vorstellt, so würde
es sich ja nicht schicken, daß sie die Mine einer Matrone
behielte. Wie oft hat sie nicht auch geweint! Meynen Sie aber,
daß sie um deswillen, sie zu Hause gekommen, immer betrübt
gewesen?
_Harl._ Ich habe allzeit gehört, die Unschuld soll so etwas
Süßes, so etwas Körnichtes, so etwas von der braunen Kruste
seyn, daß ich nicht gern eine Frau nehmen mögte, welche diesen
Leckerbissen bereits verschenket hätte.
_Barth._ O mein lieber Harlekin, sind Sie da verbrannt: so
rathe ich Ihnen gar keine Frau--anders als meine Kolombine zu
nehmen.
_Harl._ Aber sehen Sie einmal Selbst, Herr Barthold,
alle diese schönen Herrn, welche hier vor unsrer Bühne sitzen.
Ihre Augen scheinen meinem lieben Kolombinchen das Mark aus
den Knochen zu ziehen; und wenn sie tanzt; ach, wenn sie tanzt:
so--so--tanzen alle Herzen mit ihr.
_Barth._ Sollten sie das wohl thun?
_Harl._ Wenn sie es _nicht_ thäten, so mögte ich
Kolombinchen nicht; und nun, _da_ sie es thun, so traue ich
Kolombinchen nicht recht. Denen Mädchen, die so hoch springen
wenn sie tanzen, kann leicht ein Blümchen entfallen; und wenn
das auch nicht wäre: so rühmt sich doch ein jeder, vielleicht
selten mit Recht, daß er eines aufgenommen habe. Herr Barthold,
Herr Barthold! eine hübsche Comödiantinn ist wohl selten,
selten, selten eine Kirsche woran nicht schon ein Vogel
gebissen hat.
_Barth._ Possen! es ist _kein hübsches_ Mädchen in der
Welt, wovon man nicht eben diese Vermuthung hat. Nicht, weil
sie geschwinder Feuer fängt, als eine andere, sondern weil sie
Tag und Nacht verfolgt und also leicht einmal im Schlummer
überrumpelt wird. Wer sich aber daran stößt, der mag zu seiner
Strafe eine Häßliche nehmen, und versichert seyn daß sie vor
dem ersten Loche gefangen werde. Sie wird die Ehre, das Glück
und das Vergnügen, in ihrem sterblichen Leben _auch_ einmal
angebetet zu werden, so verliebt erkennen; sie wird so besorgt
seyn den Vogel nicht zu verscheuchen; sie wird so bange seyn,
die einzige Gelegenheit zu verlieren; sie wird so fertig seyn,
ihre vergängliche Waare an den Mann zu bringen, daß ich nicht
Eines auf sie, aber wohl hundert auf ein hübsches Mädchen
verwetten wollte, das die Wahl unter tausend Käufern hat.
Und dann, mein lieber Harlekin, ist es eine bestialische Sache,
eine garstige Hexe und _doch_ keine braune Kruste zu bekommen.
Für Kolombinen will ich allenfalls Bürge seyn.
_Harl._ Die Bürgschaft ist in der That etwas bedenklich.
Ich hätte für meine Mutter nicht einstehen mögen.
_Barth._ Ich mag die Grillen nicht länger anhören. Kurz
und gut, Sie nehmen sie, oder nehmen sie nicht; einige Gefahr
werden Sie allemal laufen. --Doch, warten Sie, wir wollen heute
einmal den Freyer vorstellen. Sie sollen der Bräutigam, und
meine Tochter Kolombine Ihre Braut seyn. Sie können sie dabey
auf die Probe stellen; und wenn es Ihnen dann nicht gefällt,
so sind Sie am Ende wieder frey, und Sie haben nur eine
verliebte Rolle gespielet.
_Harl._ Der Einfall ist wirklich gut. Ein jeder Freyer
spielt doch nur eine Rolle; und wenn am Schlusse des Stücks
die Heirath vollzogen wird, so hat die Rolle nur gar zu früh
ein Ende.
_Barth._ Holla! Kolombine!
Zweyter Auftritt
_Die Vorigen_, und _Kolombine_.
_Barth._ Kolombine, Du sollst heute einmal die Braut seyn.
_Kolombine._ Ach, Papa, das bin ich gerne. Ich spiele nichts
lieber als Braut und Bräutigam.
_Harl._ (Vor sich) O Du-- Sie wissen aber doch, meine
schöne Kolombine, daß die Freyerey mit der Comödie ein Ende
hat.
_Kolombine._ Nun, so können wir ja dasselbige Stück noch
einmal spielen. Ich wollte, daß wir gar kein anderes auf unsrer
Bühne hätten; und fast mögte ich das Heirathen verreden, um
allzeit Braut zu bleiben. Ach, es ist so allerliebst Braut zu
seyn.
_Barth._ Man kann heirathen, und doch noch immer die Braut
spielen. Eine gute Partey kann man immer auf Abschlag nehmen;
und die jungen Mädchen thun übel, wenn sie die Hand eines
ehrlichen Mannes ausschlagen, um allzeit flattirt, adorirt,
courtisirt, carressirt, und endlich meprisirt zu werden. Bist
Du denn, meine Tochter, sonst noch nie die Braut als auf der
Schaubühne gewesen?
_Kolombine._ Nein, Papa.
_Barth._ Hören Sie wohl, Herr Harlekin?
_Harl._ Ich höre und sehe, Herr Barthold.
_Barth._ Wo ist Scapin und Peter? Sie sollen auch
herkommen, und den Freyer mitspielen. Isabelle, welche schon
oft die Braut vorgestellt, und erfahrner ist als Du, Kolombine,
soll Dir die rechte Manier zeigen.
_Kolombine._ O, Papa, ich will schon fertig werden,
ich verstehe es schon.
_Barth._ Nun, so macht Ihr Beyde den Anfang. Ich will
herumgehen, und den Uebrigen ihre Rollen ankündigen.
Dritter Auftritt
_Harlekin_ und _Kolombine_.
_Kolombine._ Nun, Sie fangen an.
_Harl._ Nein, fangen Sie an.
_Kolombine._ Ach, nein! so habe ich es nicht gelernt.
Der Bräutigam fängt zuerst an, und sagt: Ach, meine theuerste
Schöne, wie lange habe ich mir nicht schon das Glück gewünscht,
Ihnen mein Herz zu eröffnen.
_Harl._ Und was sagt denn die Braut?
_Kolombine._ Sie antwortet: O! Sie schmeicheln mir zu viel;
ich weiß, es ist nur Ihr höflicher Scherz.
_Harl._ Und was antwortet denn Er wieder?
_Kolombine._ Er nimmt dann ihre Hand, küßt solche, und
sagt: Ach, mögten Sie in dieses Herz sehen; da würden Sie
lesen, daß mein aufrichtiger Wunsch niemals ein anderer
gewesen, als das Glück Ihnen zu gefallen, und diese schöne
Hand zu küssen.
_Harl._ Und läßt sie das so geschehen?
_Kolombine._ O ja, sie läßt ihm die Hand, und er küßt sie
noch hundertmal; und seufzet dann, bis endlich die Braut solche
nicht mehr zurückziehen kann, und mit ihrer ganzen Person
folget.
_Harl._ Die Rolle mag ich nicht spielen.
_Kolombine._ Auf welche Art wollen Sie dann?
_Harl._ Ich sage: Kolombine, mein englisches
Magentröpfchen, wenn _Sie_ will, ich will wohl.
_Kolombine._ Und was muß sie denn sagen?
_Harl._ Sie spricht: Nun, ich will--
_Kolombine._ Nun ich will--
_Harl._ Fallen Sie mir doch nicht in die Rede. Sie muß
sagen: Nun, ich will nicht.
_Kolombine._ Die Rolle mag ich nicht spielen.
Vierter Auftritt
Die _Vorigen_, und _Barthold_.
_Barth._ Nun, meine Kinder, habt Ihr angefangen?
_Kolombine._ Nein, Papa! In der Sache sind wir eins; wir
können uns nur über die Rolle nicht vergleichen. Herr Harlekin
will es besser wissen als ich, und mich dünkt, in diesem Stück
könnte ich lange sein Meister seyn. Ich bin von Iugend auf bey
dem Schauspiele erzogen; bin so mannichmal Braut gewesen, und
muß es vermuthlich besser wissen als er.
_Barth._ Nun, Harlekin, so sollten Sie sich auch weisen
lassen. Kolombine führet Sie gewiß keinen unbekannten Weg.
_Kolombine._ O nein! Ich dachte es eben so zu machen wie
die selige Mama.
_Barth._ Wie ich meine selige Frau heirathete, folgte ich
ihr blindlings, und unsere Ehe würde nicht so gesegnet gewesen
seyn, wenn ich minder folgsam gewesen wäre. Sie war allzeit
fertig mich zu unterweisen, und ihr Exempel that bisweilen die
besten Dienste. Oft war mir ihr Unterricht sehr ungelegen; aber
das war, der Himmel weiß, ihre Schuld nicht.
_Harl._ Das Schlimmste sind meine Scrupel; und ich
begreife noch nicht, Herr Barthold, wie solche durch unsre
Comödie werden gehoben werden. Stellt Kolombine die Braut gut
vor, so werde ich denken: sie versteht ihre Rolle; und stellt
sie solche nicht gut vor, so werde ich denken, sie versteht
_noch_ eine Rolle. Und der Himmel weiß, ob sie nicht noch eine
dritte versteht. Es ist doch schlimm, daß man das Ding nicht
auf die Goldwage bringen kann.
_Barth._ Die beste Goldwage ist ein gutes Vertrauen; wer
das nicht hat, der ist schon wirklich betrogen; und wer es hat,
der ißt seinen Salat, schluckt eine Schnecke mit hinunter, und
findet ihn noch schmackhafter.
_Harl._ Ich mögte darauf Ihr Gast nicht seyn. Wer heiraten
will, muß nicht Blinde-Kuh spielen, sondern wohl zusehen was er
greift.
_Kolombine._ Oho! Herr Harlekin! itzt verstehe ich das
Ding mit der Goldwage. Auf ein Paar Aeßchen können Sie gewiß
rechnen, die ich schon verloren habe. Denn der Schneider hat
mir gar kein Eisen in meine neue Schnürbrust gemacht. Indeß,
da die Comödie aus ist, habe ich die Ehre mich Ihren Scrupeln
zu empfehlen.
_Barth._ Ich meyne es auch so. Beschlafen Sie die Sache!
Ein guter Traum ist im Heirathen oft die beste Entscheidung.
(Sie gehn Beyde ab.)
Fünfter Auftritt.
_Harlekin_. _Scapin_ und _Peter_.
_Harl._ (vor sich) O weh! der erste Versuch ist nicht zum
Besten abgelaufen. Itzt mögt' _ich_ wohl, nun will _sie_ nicht.
_Scapin._ Wird denn heute nicht gespielt? Herr Barthold hat
mich herbestellt, um den Freyer mit vorzustellen. Ich sehe aber
keine Anstalten.
_Peter._ Ich sollte auch einen vorstellen--
_Harl._ Ha, mein guter Peter, magst Du es denn gern thun?
_Peter._ O ja. Ich muß sonst immer nur die Lichter putzen;
wenn aber der Freyer gespielet wird, so--so küsse ich, wollt'
ich sagen, Cathrinchen.
_Harl._ Und Du, Scapin?
_Scapin._ Meine Rolle in diesem Stück ist immer nur ein
Puckel voll Schläge, und ich könnte eben nicht sagen, daß ich
solche jetzt nöthig hätte.
_Harl._ Hör' einmal, mein lieber Scapin! Ich weiß, Du bist
schlauer als mancher Dieb, der gehangen wird; ich muß Dir eins
im Vertrauen sagen.
_Peter._ Ich hoffe doch nichts von Cathrinchen?
_Harl._ Ich wäre wohl gesonnen, des Herrn Bartholds jüngste
Tochter Kolombinchen in allen Ehren zu heirathen--
_Peter._ Giebt es denn auch Heirathen in Unehren?
_Harl._ Allein, ich besorge, sie mögte schon--
_Peter._ Was mögte sie schon?
_Scapin._ Schweig, Peter, ich verstehe schon was
Harlekin meynt. Er besorgt, sie mögte schon einnal in
Unehren geheirathet haben.
_Peter._ Nun verstehe ich es auch--
_Harl._ Was meynst Du nun? Wie fange ich es an, um hinter
die Wahrheit zu kommen?
_Scapin._ Du mußt sie vorher probiren.
_Peter._ Bey meiner Treu, das ist vernünftig.
_Harl._ Allein, wie mache ich das?
_Peter._ O, das will ich wohl thun, wenn Sie es nicht
verstehen.
_Scapin._ Ich weiß was zu thun ist. Wolltest Du wohl,
Harlekin, ihr zu gefallen, eine Tracht Schläge vorlieb nehmen?
_Harl._ Die Schläge wohl, aber den Schimpf nicht.
_Scapin._ Nun da ist Rath zu. Höre, ich will Dir das Kleid
meines Herrn verschaffen. Du weißt, er ist Hauptmann, und eine
Uniform hat heut zu Tage viele Freyheiten; damit sollst Du
diesen Abend zu ihr gehen. Läßt sie Dich nun zum Hause hinaus
prügeln, so kannst Du glauben, daß sie die Krone von allen
ehrlichen Mädchen ist. Nimmt sie Dich aber an, küßt und umarmt
Dich, so nimmst Du das auf dem Marsche vorlieb, und weißt wie
viel die Glocke geschlagen.
_Harl._ O mein lieber Scapin, das ist unvergleichlich.
Ich danke Dir tausendmal für Deinen guten Rath. Mache mich
nur geschwind zum Hauptmann. Ich brenne vor Verlangen, jene
glückliche Tracht Schläge zu empfangen.
_Peter._ Ich wahrhaftig nicht. In meiner Heimath probirt
man die Mädchen ganz anders.
_Scapin._ In meiner auch. Aber man bekömmt zuweilen etwas,
was einem noch weit unangenehmer ist, als eine Tracht Schläge.
Nicht wahr, Harlekin?
_Harl._ O Scapin, Du bist der klügste Schelm, den ich in
meinem Leben gekannt habe. Mache nur geschwind, daß ich das
Kleid von Deinem Herrn bekomme. Ich hoffe doch nicht, daß er
es übel nehmen wird, wenn der Schimpf hiernächst darauf sitzen
bleibt?
_Scapin._ O im geringsten nicht. Eben das Kleid, was ich
Dir verschaffen will, hat schon mehrmal herhalten müssen. Ich
will hingehen um es Dir zu bringen. Du mußt mir aber auch
einmal wieder zu gefallen seyn, wenn Du nun ein Ehemann seyn
wirst.
(Scapin geht ab)
Sechster Auftritt
_Harlekin_ und _Peter_.
_Harl._ Du sagtest ja erst, Peter, man hätte in Deiner
Heimath eine andere Probe, um zu erfahren, ob die Braut noch
ächt sey.
_Peter._ O ja, das haben wir auch.
_Harl._ Wie macht Ihr denn das?
_Peter._ Da kommen wir her und suchen uns eine aus, die
uns gefällt.
_Harl._ Das kann ich wohl denken.
_Peter._ Dann nehme ich mein Spinnrad, und gehe des Abends
zu ihr ins Haus, setze mich neben ihr hin und wir spinnen denn
alle Beyde.
_Harl._ Nun, spinnt Ihr denn immer fort?
_Peter._ Von ungefähr geht dann einmal die Lampe aus.
_Harl._ Das kömmt der Sache näher--
_Peter._ Spinnt die Braut nun im Finstern fort, ohne den
Faden zu verlieren, so ist das ein gutes Zeichen.
_Harl._ Das ist wirklich so dumm nicht--
_Peter._ Steht aber das Rad stille, bricht der Faden und
die Schnur schlägt wohl gar ab: so hohle es der Henker!
_Harl._ Wahrhaftig, die Leute sind klug; und wer hat euch
das so gelehret?
_Peter._ Ich glaube, es muß so von Vater auf Sohn
gekommen seyn. Denn wie unser Pastor einmal das Zusammenspinnen
abschaffen wollte, so sagten die Aeltesten im Dorfe: ihre Väter
hätten es gethan, ihre Großväter hätten es gethan, und ihre
Kinder sollten auch thun.
_Harl._ In dem Dorfe mögte ich wohnen!
Siebenter Auftritt.
_Scapin_ mit einem Kleide unterm Arme,
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