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Über das Aussterben der Naturvölker
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Georg Gerland German ISO-8859-1


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gefangen.
15. Oktober ein anderer Kraal entdeckt, 85 getödtet, 23 gefangen.

20. Okt. ein dritter entdeckt, 7 getödtet, 3 gefangen.«

»Man wird einigermassen, fährt Waitz fort, die Ausdehnung ermessen
können, in welcher diese Vertilgung besonders der Buschmänner betrieben
wurde, wenn man bedenkt, dass Coblins (1809) einen sonst respektablen
Mann erzählen hörte, er habe binnen 6 Jahren mit seinen Leuten zusammen
3200 Buschmänner getödtet und gefangen, wogegen ein anderer mittheilte,
dass die Commandos, an denen er sich betheiligte, 2700 Buschmännern das
Leben gekostet hätten. Thompson kannte einen Kolonisten, der in 30
Jahren 32 solcher Raubzüge mitgemacht hatte, auf deren einem 200
Buschmänner umgebracht seien. Mit dem Eintritt der englischen Herrschaft
am Cap hatte zwar das Commandosystem aufhören sollen, aber die Boers
waren so sehr an dasselbe gewöhnt, dass es unmöglich war, es auf einmal
zu beseitigen. Von 1797-1823, d.h. bis zur Okkupation des Landes der
Buschmänner, werden 53 Commandos offiziell angegeben; es ist
unzweifelhaft, dass das System 1823 nach einigen Unterbrechungen wieder
in voller Blüthe war und es scheint den Buschmännern unter der
englischen Herrschaft noch trauriger gegangen zu sein, als unter der
holländischen. Dass die Hottentottenbevölkerung der Capkolonie unter
der englischen Herrschaft bis zum Jahr 1822 um die Hälfte zugenommen
habe (Zeitschr. 1, 287) ist wenig glaubhaft und sicherlich nur
scheinbar.« Die Boers zogen, um den ihnen verhassten englischen Gesetzen
nicht gehorchen zu müssen, 5000 an der Zahl, um 1836 nach Port Natal, wo
sie ihre scheussliche Willkürherrschaft, ihre Commandos und Knechtung
der Eingeborenen noch jetzt, wie sie es selbst bei Livingstones
Anwesenheit thaten, fortsetzen (Waitz 2, 336).

Man wird es nicht eben wunderbar finden, wenn die Hottentotten diesem
Hauche der Kultur erlagen; wenn jetzt ihr Hass gegen die Weissen so
gross ist, dass ein friedliches Einwirken der letzteren, wenn nicht
unmöglich, doch ausserordentlich erschwert ist: wenn endlich die
Hottentotten jetzt sehr viel roher, träger und sittlich schlechter sind
als zu der Zeit, da man sie zuerst kennen lernte. Stand doch über
manchen Kirchen der Holländer: »kein Hund und kein Hottentotte darf
eintreten« (Waitz 2, 333). Haben doch die Boers nach Kräften die
Christianisirung der Eingeborenen zu hindern gesucht, indem sie
verboten, dass ihre Sklaven und deren Kinder getauft wurden und bei
Lebensstrafe denselben die Missionsstation auch nur zu nennen verboten.
Die holländische Compagnie selbst war es, welche die mährischen Brüder
aus dem Lande der Hottentotten vertrieb, weil sie auf letztere einen zu
grossen Einfluss gewannen. Ja noch 1831, als die Hottentotten am Kat
River sich niedergelassen und dort unter Leitung der Missionäre zu einer
gewissen Blüthe gelangt waren, gelang es kaum, die Boers von der
Zerstörung dieser Colonie mit Gewalt zurückzuhalten (Waitz 2, 336).

Und in diesem Zustande leben die Hottentotten nun schon über 200 Jahr
und sind noch nicht ausgerottet!

Gehen wir nun nach Amerika. Die Indianer Nordamerikas kamen den
Europäern anfangs freundlich entgegen (Waitz 3, 242), aber die Weissen
waren es, welche das Verhältniss trübten. Zunächst vernichteten sie
wegen verhältnissmässig geringfügiger Veranlassung das Volk der Pequots;
an 700 wurden bei einem plötzlichen Ueberfall getödtet, die übrigen
zerstreut, gefangen und von Staatswegen als Sklaven verkauft (Waitz 3,
244). Sklavenjagden in Nordamerika von Seiten der Engländer und Spanier
waren ganz gewöhnlich. Die frommen Puritaner, die Gott dankbar waren für
jede verheerende Krankheit, welche unter den Indianern wüthete (Waitz 3,
242), sahen in jedem gelingenden Greuel der Christen gegen die Indianer,
namentlich wenn diese massenweise zu Grund gingen, ein Zeichen
göttlicher Gnade, in jedem Misslingen eines Mordzuges einen göttlichen
Zornausbruch gegen sie selber und bekannten dies laut (Waitz 3, 244-45).
Man dachte gar bald daran, die Indianer ganz auszurotten: und soll uns
das wundern, wenn wir erfahren, dass noch in diesem Jahrhundert der
Regierung der Vereinigten Staaten ein förmliches Projekt zur Vertilgung
der Indianer vorgelegt wurde? Und wie man sie vertilgte! »Die Engländer,
versichert Trumbull bei Waitz 3, 248, hatten damals (im 17. Jahrhundert)
und später viel Zweifel darüber, ob es sich mit dem Christenthum und der
Menschlichkeit vertrage, die Feinde lebendig zu verbrennen.« Die Weissen
haben, wie schon hieraus hervorgeht und auch sonst überall, oft sogar
mit dem grössten Rühmen, bezeugt wird, den Krieg mit derselben und oft
noch viel ärgerer Grausamkeit geführt, als die Indianer selbst (ebd.
258. 260); noch 1830 haben sie, wie früher öfter, unter den Pani das
Blattergift verbreitet (ebd. 259). Wie man nun die Völker um ihr Land
geprellt, wie man sie später immer weiter nach Westen und schliesslich
über den Missisippi hinübergedrängt hat, ohne Rücksicht auf die
bedeutend aufblühende Kultur der Cherokees, welche durch diese
Verpflanzung einen schweren Stoss erlitt, das mag man bei Waitz 3 bis
299 und b, 26-60 nachlesen: wir wollen nur noch bemerken, dass die
Natchez, die Schawanoes, die Delawares, Potowatomies, Seminolen,
Kaskaskias und andere einst mächtige Völker von den Weissen vernichtet
oder so gut wie vernichtet sind (Waitz 1, 166).

In Südamerika traten die Europäer womöglich noch scheusslicher auf.
»Benzoni, sagt Waitz 3, 399-100 in Beziehung auf Guyana, hat als
Augenzeuge ein schauerliches Bild davon entworfen, wie die Spanier in
diesen Ländern hausten. Das Verbot, Sklaven zu machen, war kein Verbot,
Sklaven zu halten. Die gewöhnliche Formel, mit welcher letzteres erlaubt
wurde, lautete: ihr sollt als Sklaven halten dürfen die von den
eingeborenen Herren des Landes als solche gehalten und euch verkauft
werden. Das gewöhnliche Verfahren, welches namentlich in Maracapana oft
zur Ausführung gekommen ist, bestand daher darin, dass man einen
Häuptling einfing, der gezwungen wurde, sich durch den Verkauf seiner
Leute als Sklaven die Freiheit zu erwerben, und dass man die so
gewonnenen Sklaven dann von der Behörde für rechtmässig erklären liess.
Unterwarf sich aber ein Häuptling freiwillig, so fiel man mit ihm über
seine Feinde her, um diese zu versklaven oder suchte Streit mit ihm
selbst. Nasen- und Ohrenabschneiden war eine gewöhnliche und nicht
selten ausgeführte Drohung der Spanier gegen Indianer, die sich
ungefügig zeigten, und da das Gesetz verbot, die Lastthiere zu
überbürden, damit sie sich reichlich vermehren könnten, diente auch dies
als Vorwand, die Eingeborenen selbst als Lastthiere zu gebrauchen.
Nächst der Minenarbeit und persönlichen Dienstbarkeit überhaupt hat
vorzüglich auch die Entführung vieler Weiber ihre Zahl verringert.
Natürlich liessen sich das die streitbaren Indianer nicht ohne Weiteres
anthun und man kann denken, welche fürchterlichen Kämpfe eine solche
Behandlung hervorrufen musste und wie diese Kämpfe selbst, obwohl zum
Theil glücklich für sie, die Indianer decimiren mussten. In Brasilien
wars um nichts besser. Obwohl man anfangs den Eingeborenen die Freiheit
zugesprochen hatte, kam man doch sehr bald dahin, dass man
Menschenjagden erst duldete und dann (seit 1611) allgemein gestattete
und diese entwickelten sich gar bald zu einer solchen Höhe, dass in den
3 Jahren 1628-1630 in Rio de Janeiro allein 60,000 Indianer, meist aus
Paraguay, in die Sklaverei verkauft wurden, wobei es natürlich auch
wieder zu den scheusslichsten Kriegen kam, in welchen Europäer und
Indianer gleichmässig verwilderten (Waitz 3, 450-51). Allerdings setzten
sich die Missionäre (Jesuiten) hiergegen, allein nur, um die
Arbeitskraft der Indianer ihrem Orden zukommen zu lassen, und meist mit
so geringem Erfolg, dass ihr Widerstand gar nichts bedeutete. Uebrigens
ist auch jetzt noch das Loos der unter brasilianischer, also
portugiesischer Herrschaft stehenden Indianer kaum besser (ebd. 453),
wie die Portugiesen wohl diejenigen Europäer sind, welche am
unmenschlichsten mit den Amerikanern umgingen. Das beweist auch, wie sie
mit den Indianern der Pampas verfuhren. Wir wollen hören, was hierüber
v. Tschudi 2, 261-64 von vergangenen Zeiten und von der Gegenwart sagt:
»Das Verhältniss zwischen den erobernden Portugiesen und den Indianern
war seit dem 16. Jahrhundert im allgemeinen ein getrübtes. Bekanntlich
trachteten die Ansiedler so viel als nur möglich, die Eingeborenen für
die Feldbestellung und für den Bergbau zu benutzen. Diese aber fanden im
ganzen wenig Freude an solchen ihren natürlichen Neigungen mehr oder
weniger widerstrebenden Verrichtungen und wollten ebenso wenig in ein
Dienstverhältniss zu den Eindringlingen treten. Die gebieterische
Nothwendigkeit, Arbeitskräfte zu besitzen, führte die Portugiesen
allmählich dahin, sich der Indianer mit Gewalt zu bemächtigen und sie zu
unentgeltlichen Dienstleistungen zu zwingen. Binnen kurzem bildete sich
eine Indianersklaverei und ein schwunghafter Menschenhandel aus. Banden
kühner Abenteurer zogen nach den Urwäldern auf Menschenjagd und
verkauften nach der Rückkehr ihre Beute an Grossgrundbesitzer, in denen
sie stets willige Abnehmer fanden. Königliche Verordnungen autorisirten
gewissermassen dieses empörende Verfahren und nur an der Gesellschaft
Jesu fanden die hartbedrängten Urbewohner Vertheidiger und Beschützer.
Durch massenhafte Einfuhr von Sklaven von der afrikanischen Küste,
verbunden mit einer etwas humaneren Gesetzgebung, verminderte sich,
besonders im 18. Jahrhundert, die Indianersklaverei, dagegen aber
entwickelte sich an vielen Grenzpunkten der Civilisation ein förmlicher
Vernichtungskrieg zwischen Portugiesen und Indianern. Ueberlegenheit der
Angriffs- und Verteidigungswaffen sicherten den ersten den Erfolg .....
deren weite mit gehacktem Blei geladene Trabucos oft schreckliche
Verwüstungen unter den Gegnern anrichteten.

Wilde Bluthunde, die ausschliesslich auf Indianerfährten abgerichtet
waren, halfen den nicht weniger blutdürstigen Menschenjägern die
feindlichen Lager ausfindig machen. Die Offiziere wetteiferten, wer die
besten Indianerhunde besitze, und ein gewisser Lieutenant Antonio
Pereira liess die seinigen nur Indianerfleisch geniessen, um sie stets
bei guter Nase zu erhalten. Als durch die Einführung der weit
arbeitsfähigeren Neger die Indianer fast ganz entwerthet wurden, so
handelte es sich bei solchen Expeditionen nicht mehr darum, Menschen zu
fangen, sondern nur eine möglichst grosse Zahl zu morden. Um diesen
Zweck, die Vernichtung der Indianer, in ausgedehntem Massstabe zu
erreichen, griffen die Portugiesen zu den niederträchtigsten Mitteln.
Sie legten Kleider von Personen, die an Blattern oder Scharlach
verstorben waren, in der Absicht in die Wälder, dass Indianer sich diese
aneignen und infolge dessen Epidemien unter ihnen ausbrechen und
grässliche Verheerungen unter ihnen anrichten sollten.« Also ganz wie es
die Engländer in Nordamerika machten!--Nachdem nun Tschudi gesagt hat,
dass die Spanier zu solchen schändlichen Mitteln nie gegriffen hätten,
fährt er fort: »trotz der schönen aber leider so mangelhaft ausgeführten
Constitution Brasiliens hat der Vernichtungskrieg gegen die Indianer der
Provinz Minas bis auf die neueste Zeit noch fortgedauert. Heute noch
(1860) leben dort Individuen, denen eine Indianerjagd der höchste Genuss
ist und die noch sorgfältig Schweiss- und Spürhunde zu diesem Zwecke
pflegen. Nur eine kurze Zeit ist verflossen, seit ein kaiserlich
brasilianischer Militärcommandant als Repressalien für einen von den
Indianern begangenen Mord ein Indianeraldea (Dorf) überfiel und als
Siegestrophäe _dreihundert_ Ohren von grausam abgeschlachteten Indianern
in den Flecken St. Matheus, südlich vom Mukury brachte! Selbst der
kaiserliche Commissionär ... neigt sich mehr zu den Vertilgungsmitteln
hin, als auf rein menschliche Weise die Indianer der Civilisation
unterthan zu machen....

Ottoni führt einige Beispiele an, wie der Vernichtungskrieg gegen die
Indianer auch in neuerer Zeit geführt wurde. Der Schauplatz dieser
elenden Thaten war das Quellgebiet des Mukury und ein Theil von dem des
Jaquitinhonha. Die Hauptleiter der Mörderexpeditionen waren zwei
indianische Soldaten Cré und Crahy, denen sich als dritter würdiger
Genosse ein gewisser Tidoro zugesellte. Sie handelten aber nur auf
höheren Militärbefehl. »Eine Aldea umbringen« war ihr Losungswort, der
Zauber, der sie für ihr Henkerhandwerk fanatisirte. Mit Hülfe kaiserlich
brasilianischer Soldaten und »Liebhaber« (oft den besten Ständen
angehörend) umringten sie während der Nacht die dem Untergang geweihte
Aldea und stürmten sie mit dem ersten Tagesgrauen, so dass die
aufgehende Sonne nur noch blutrauchende grässlich verstümmelte Leichname
beschien. Die arglosen Indianer hatten gewöhnlich keine Idee von dem
ihnen drohenden Verhängniss: sie wurden meistens im tiefen Schlaf
überrascht. Die Soldaten bemächtigten sich immer zuerst der in einer
Ecke zusammengestellten Bogen und Pfeile, um so weniger gefährdet die
wehrlosen Indianer abzuschlachten. Nur die Kinder (Kurukas) wurden
verschont, sie waren Kriegsbeute! Ein solches Kuruka wurde in der Regel
für 100 Milreis verkauft. Selbst in neuester Zeit war der Gewinn, der
aus dem Verkauf der erbeuteten Kinder gezogen wurde, das einzige Motiv,
um eine Aldea umzubringen. Und dieses geschieht im constitutionellen
Brasilien gegen die ursprünglichen Bewohner des Landes! Am Rio
Jaquitinhonha, am Mukury, am Rio St. Matheus, am Rio Dolce sind
zahlreiche Beispiele dieser Menschenschlächtereien vorgekommen. Vier
Jahre vor meinem Besuch am Mukury leiteten die Henkersknechte Cro und
Crahy eine solche Metzelei bei Queriba am Jaquitinhonha. Sogar im Jahr
1861 wurde wenige Meilen von Philadelphia eine derartige
Menschenschlächterei ausgeführt. Im Jahre 1846 wurde in Marianna, 2
Leguas von St. Jose de Porto Alegre, an der Mündung des Mukury, der
Tribus des Häuptlings Shiporok fast gänzlich vernichtet. Sechzehn
Schädel der ermordeten Indianer kaufte ein Franzose und schickte sie an
ein pariser Museum.«

Man muss diese Nachrichten, welche jede Vorstellung übersteigen, bei
einem so glaubwürdigen Schriftsteller wie Tschudi selbst lesen, um sie
zu glauben. Uebrigens ging es den Araukanern kaum besser, die in einem
fast 200jährigen Kampfe (von 1540-1724) mit den Spaniern um ihre
Unabhängigkeit rangen. Auch hier waren es wieder die Europäer, welche
die grauenvollsten Grausamkeiten gegen die tapferen und edeln Amerikaner
begingen, welche letztern aber auch, wie es natürlich war, in einem
solchen Krieg verwilderten und herunterkamen, so dass man jetzt in ihnen
die alten Araukaner nicht mehr zu suchen braucht (Waitz 3, 521 ff.). Wie
die Spanier noch in diesem Jahrhundert gegen sie verfuhren, geht aus
folgender, von einem Augenzeugen erzählten Geschichte hervor, welche den
portugiesischen Schandthaten würdig zur Seite steht: »von einem
Indianerstamme, der sich in seinem Versteck aller Nachforschungen
entzog, konnte Major Rodriguez nur ein Weib auffinden mit ihrem Sohn und
ihrer Tochter, die noch Kind war. Drohungen und Versprechungen bewirkten
nichts über sie, um sie zur Verrätherei zu bewegen. Da liess man den
Sohn niederknien und erschoss ihn vor den Augen seiner Mutter und
Schwester. Dennoch wollte das Weib nichts gestehen. Auch sie musste
niederknien, um zu sterben; da erbot sich die Tochter, das Versteck
ihres Vaters und ihrer Brüder zu verrathen. Die Mutter stürzte wüthend
über sie her und wollte sie erdrosseln, doch man entriss ihr das Kind
und schleppte sie fort in der von diesem bezeichneten Richtung, während
sie die Tochter mit den härtesten Vorwürfen wegen ihrer Feigheit und
Entartung überhäufte. Ihre ganze Familie musste sie hinschlachten sehen
und gab verzweifelnd und mit dem letzten Athemzuge den Mördern fluchend
bei diesem Anblicke ihren Geist auf« (Waitz 3, 526). Solche Beispiele
viehischer Unmenschlichkeit stehen keineswegs als einzelne wegen ihrer
besonderen Scheusslichkeit merkwürdige Fälle da: sie sind in diesen
Kriegen das ganz Gewöhnliche.

v. Tschudi gab an, dass die Botokuden bei den Jesuiten Schutz gefunden
hätten; und wenn allerdings die Geistlichen bisweilen ihre Stimmen für
die Unterdrückten erhoben, so war das keineswegs überall oder immer der
Fall; ja die Geistlichen wurden sehr häufig nur eine neue Plage für die
Eingeborenen durch die Mittel, wie sie die Indianer für die Taufe
gewannen: einfach dadurch, dass sie dieselben jagten, fingen und dann
tauften oder so lange einsperrten, bis sie sich taufen liessen, was
freilich von den spanischen Gesetzen verboten war, aber doch oft genug,
mit Hülfe anderer Indianer, ausgeführt wurde. Nur allzubekannt ist jene
fürchterliche Geschichte von der Guahibaindianerin, welche mit ihren
Kindern gefangen worden war und von der

Zu der Guahiba und der Christen Bildniss
Erzählet jener Stein mit stummem Munde
Am Atapabos-Ufer in der Wildniss.

Diese Geschichte spielt etwa um 1770: und Humboldt, welcher sie uns aus
dem Munde der Geistlichen selbst erzählt (b, 5, 81 ff.; vgl. Chamisso
Werke 4, 69 ff.), fährt fort: »Dergleichen Jammer kommt überall vor, wo
es Herren und Sklaven gibt, wo civilisirte Europäer unter versunkenen
Völkern leben, wo Priester mit unumschränkter Gewalt über unwissende,
wehrlose Völker gebieten« (Humboldt a.a.O. 85). Und er hat Recht:
denselben Jammer finden wir in Californien wieder, wohin die spanische
Herrschaft hauptsächlich durch Missionäre gebracht war, und wo diese
letzteren Schlingen legten, um Indianer zu fangen oder zu demselben
Behuf bewaffnete Schaaren ausschickten. Widersetzte sich einer der
Eingeborenen der neuen Lehre, so sperrte man ihn zunächst ein und liess
ihn hungern, dann zeigte man ihm Fleisch, um ihm von dem guten Leben,
das ihn bei den Missionären erwarte, einen Begriff zu geben und
suchte ihn so zum--Christenthum zu gewinnen (Beechey 1, 356).
Wiedereingefangene Deserteure erhielten nach Langsdorff Stockprügel, die
sehr häufig auch bei Frauen angewendet wurden, und es wurde ihnen ein
schwerer Eisenstab angehängt, um fürderhin Flucht ihnen unmöglich zu
machen. Da nun die so Bekehrten ganz wie Sklaven den frommen Missionären
dienen mussten, so ist es einmal kein Wunder, wenn sie, um dieser
Religion, dieser Kultur zu entfliehen, kein Mittel scheuten, auf der
anderen Seite aber auch nicht, wenn wir sie massenhaft in den Missionen
sterben sehen. Krankheiten wütheten und von Jahr zu Jahr wuchs die
Sterblichkeit. 1786 waren 7701 Indianer getauft, von denen 2388 starben;
1813 waren 57,328 getauft, aber gestorben 37,437 (Beechey 1, 370).--Als
nun später die Missionen durch die politischen Verhältnisse Californiens
verfielen, wurde das Loos der Eingeborenen noch schlimmer. Sklavenjagden
oder auch geradezu Menschenhetzen begannen, man schoss sie nieder, ohne
Unterschied des Alters und Geschlechtes, wo man sie traf. Ein spanischer
General hatte (nach Wilkes) Californier zu Soldaten einexercirt; als sie
sich aber sehr brauchbar zeigten, bekam er Furcht vor ihnen und liess
sie alle niederschiessen (Waitz 2, 244-51).

Am allerärgsten aber haben die Weissen in den kultivirten Gegenden
Amerikas gehaust, welche sie zuerst vom ganzen Continente kennen
lernten. Die Eroberung von Mexiko kostete, wie ein Spanier (Clavigero
bei Waitz 1, 189-90) angibt, mehr Menschen, als während der ganzen Dauer
des mexikanischen Reiches den Göttern geopfert sind; wenn auch die
Behauptung desselben Schriftstellers, die Bevölkerung des Landes sei
durch die Eroberung bis auf ein Zehntel gesunken, von Waitz (4, 190) mit
Recht als übertrieben angesehen werden mag. Aber Gomara selbst, der für
Cortez schreibt, berichtet, dass weder Weiber noch Kinder von den
Spaniern geschont seien (Waitz 4, 186); und doch war Cortez noch
derjenige, welcher wenigstens ohne unnöthige Grausamkeit verfuhr,
während seine Nachfolger geradezu unmenschlich hausten. Doch auch Cortez
vertheilte, trotzdem es ihm hart erschien, die Mexikaner unter die
spanischen Eroberer als Knechte und der höchste Adel sowohl wie gemeines
Volk mussten ihren Enkomenderos die härteste Arbeit thun, unter der sie,
überhaupt nicht an strenge Arbeit, am allerwenigsten aber an so ganz
unmenschliche Ueberbürdung gewöhnt, massenweis erlagen. Widerspenstige
oder wer, gleichviel aus welchem Grunde, den Tribut nicht zahlte, wurden
als Sklaven verkauft. Dieser Tribut aber war enorm und wurde mit der
grössten Strenge, sehr häufig auch mit den ärgsten Betrügereien und
Erpressungen beigetrieben. Viele tödteten sich nun aus Verzweiflung,
andere verabredeten sich, keine Kinder mehr zu erzeugen oder künstlichen
Abortus zu bewirken, um wenigstens ihre Nachkommen von diesem ganz
unerträglichen Elend, das noch durch jene fürchterlichen eingeschleppten
Krankheiten furchtbar erhöht wurde, zu bewahren. Bei der Eroberung waren
die Wasserleitungen mit zerstört und dadurch erhob sich neues Elend:
denn ein grosser Theil des Landes ward dadurch zur Wüste (Waitz 4, 187).
Das Christenthum, das übrigens sobald es sich der Eingeborenen annahm,
von den spanischen Machthabern aufs Heftigste angefeindet wurde, kam nun
auch und mit ihm die Inquisition, die gar nicht selten 100 Ketzer auf
einmal verbrennen liess (4, 189)--kurz, es ergoss sich auf die
unglücklichen Menschen ein so grimmiges Elend, wie vielleicht kein Volk
sonst hat aushalten müssen, und es ist kein Wunder, wenn auch hier die
Eingeborenen vor dem »Hauche der Kultur« schaarenweis starben; ein
Wunder ists nur, dass sie trotz aller dieser Leiden bis auf den heutigen
Tag nicht ausgerottet sind.

Nicht anders hausten die Spanier in Guatemala (4, 268), in Nikaragua
(280) und noch ärger auf den Antillen und Lukayen (Bahamainseln), deren
Einwohner, mehrere 100,000 an der Zahl innerhalb weniger Jahrzehnte
gänzlich vernichtet sind, wozu die eingeschleppten Krankheiten, die
Minenarbeiten, die nichtswürdigen Knechtungen und oft ganz zwecklose
Menschenmetzeleien das Meiste beitrugen. Massenweise tödteten die
Eingeborenen sich selbst. Columbus selbst hatte ganz dieselbe Gesinnung
wie seine Landsleute: Menschenraub, Sklaverei, grausame Verstümmelungen
geschahen auf seinen Befehl und die spanische Regierung war, obwohl
Isabella diese Behandlung der Eingeborenen im höchsten Grade
missbilligte, viel zu schwach, irgend etwas Bleibendes zu Gunsten der
Indianer zu erreichen (Waitz 4, 331. 334).

Ebenso ging es in Darien (4, 351) und Neu-Granada (377) und dass es in
Peru eher schlimmer als besser war, dafür bürgt schon der Name Pizarro.
Das beliebte Mittel der Portugiesen, Bluthunde, die auf Indianer
dressirt waren, gegen diese loszuhetzen, wurde hier namentlich
angewandt. Wir erinnern hier an die schon erwähnte Bitte des gefangenen
Fürsten, ihn nicht verbrennen, nicht den Hunden vorwerfen, sondern
einfach erhängen zu lassen (1, 478 ff.). Nach Gomara sind in den Kriegen
unmittelbar nach der Eroberung etwa anderthalb Millionen Eingeborene
aufgerieben; die übrigen litten unter dem Druck der Encomiendas und
Mitas (zwangsweise Vermiethung der Eingeborenen an Privatleute, von der
Mestizen, Mulatten, Zambos frei waren) so unerträglich, dass sie durch
das Uebermass von Arbeit schaarenweis aufgerieben wurden. Dazu kam noch
der furchtbare Steuerdruck unter den habgierigen Spaniern, an welchem
sich übrigens die Geistlichkeit ohne die geringste Scheu aufs
lebhafteste mit betheiligte. Nimmt man dies leibliche Leiden zusammen,
und dazu das Bewusstsein der gänzlichen Ohnmacht gegen diesen Gegner, so
wird man sich die psychischen Leiden dieser Menschen denken können;
diese fallen aber mit dem grössten Gewicht in unsere Wagschale, da ihnen
gewiss grosse Mengen erlegen sind, wie vielfach bezeugt ist. Gewiss,
wenn man die Amerikaner in Nord und Süd betrachtet, deren Bedrückung
noch nirgends ganz aufgehört hat, so ist das das allein Wunderbare, dass
jetzt, nach 300 oder 200 Jahren eines solchen Druckes, noch irgend etwas
von der Urbevölkerung existirt.




§ 17. Fortsetzung. Der stille Ozean.


Eine ähnliche Behandlung wie die bisher besprochenen Völker von
Holländern, Engländern, Spaniern und Portugiesen erfuhren die
Kamtschadalen und Aleuten durch die Russen. Nach King (Cook 3te Reise 4,
171) wüthete der Russe Atlassof, der 1699 Kamtschatka zuerst entdeckt
hatte, seit 1706 zum zweiten Male Befehlshaber daselbst, »um die
Einwohner mit guter Art und durch friedliche Mittel zu gewinnen«, in dem
Lande so arg, dass seine eigenen Leute, die Kosaken, welche bis dahin
friedlich mit den Kamtschadalen ausgekommen waren, gegen ihn einen
Aufstand erhoben und sich in den Besitz der Halbinsel setzten. Dadurch
ward es aber nicht besser, denn sie wütheten, einmal an Mord und Blut
gewöhnt, von nun ab unter den Eingeborenen von Kamtschatka selbst. »Die
Geschichte dieser Halbinsel von jenem Zeitpunkte an bis in das Jahr 1731
ist eine Reihe von Mordthaten, Empörungen und wilden blutigen Gefechten
kleiner im ganzen Lande streifender Parteien.« Damals nämlich erhoben
sich die erbitterten Kamtschadalen, um ihr Land nicht immer weiter
unterjocht werden zu lassen und um sich an ihren Peinigern zu rächen.
Behring war zu jener Zeit da, welcher alle ihm entbehrlichen Truppen,
mit Ausnahme kleiner Besatzungen in den Festungen des Landes, gegen die
Tschuktschen schickte, denn bei der ausserordentlichen Klugheit,
Verschwiegenheit und Energie der Kamtschadalen hatte weder er, noch
irgend sonst ein Russe eine Ahndung von einer Verschwörung, welche über
die ganze Halbinsel ausgebreitet war. Sie war sehr gut organisirt; von
kleinen aufhaltenden Zwischenfällen z.B. waren in kürzester Frist alle
Oberhäupter derselben benachrichtigt: und so gelang es denn, nach
Behrings Abfahrt den Kamtschadalen, dass sie die Festungen rasch
einnahmen, und alles was von Russen noch im Lande war (Weiber und Kinder
mit eingeschlossen) niedermachten oder in die Gefangenschaft
wegschleppten. Behring aber, durch widrige Winde an der Küste
festgehalten, erfuhr das Geschehene, kehrte zurück und belagerte das
Fort, wohin sich die Kamtschadalen auf Kunde seiner Rückkehr geworfen
hatten; allein nicht eher konnte er es--so tapfer war der
Widerstand--einnehmen, als bis es endlich durch einen Zufall in die Luft
gesprengt wurde. Da nun die Kamtschadalen auch in einigen offenen
Gefechten, die sehr blutig waren und sonst den kürzeren zogen, so
mussten sie sich zum Frieden bequemen. Von da ab blieb alles ruhig,
einzelne Aufstände abgerechnet--welche ein deutliches Bild geben, wie
die Russen sich gegen die durch jenen Aufstand gebrochenen Kamtschadalen
betrugen. Wenn die Halbinsel, nach King, sich nach 1731 wieder so erholt
haben soll (doch King selbst berichtet zweifelnd), dass sie später
volkreicher war als früher, so ist dieser Nachricht kein Glauben zu
schenken, oder sie bezieht sich auf die Erhöhung der Bevölkerung,
welche durch Einwanderung erfolgte. Die Russen fuhren fort, wie sie
angefangen hatten; wären die Kamtschadalen noch die alten gewesen, die
mit solcher Umsicht und Thatkraft den Aufstand von 1731 ausführten, sie
hätten von Neuem gegen das Joch anzukämpfen versucht, was bis auf jene
ohnmächtigen Aufstände, welche gegen die Peiniger sich örtlich erhoben,
nicht weiter geschah. Jener Krieg hatte sie eben gebrochen. Und so
erlagen sie denn gänzlich, als zuerst 1767 jene Epidemien ausbrachen,
die wir schon geschildert haben.

Abgesehen von Krieg und Seuchen hat ihnen der Pelzhandel unendlich
geschadet. Krusenstern (3, 52-53) erzählt, dass die Agenten der
amerikanischen Compagnie und die russischen Händler im Lande
umherziehen, die einzelnen, mit denen sie handeln wollen, mit Branntwein
völlig trunken machen, was ihnen bei der Leidenschaft der Kamtschadalen
für den Trunk gar nicht schwer wird, und dann den ganzen Vorrath von
Pelz, den jene besitzen, den Besinnungslosen abnehmen, um sich für »die
Menge des getrunkenen Branntweins bezahlt zu machen.« So verliert der
Unglückliche, fährt Krusenstern fort, den Lohn monatelanger Mühe, statt
sich zum Leben nützliche und nöthige Dinge kaufen zu können, in einem
Rausche. »Grösseres Elend (S. 54) ist auch mit Niederdrückung seines
Geistes verknüpft, welche einen äusserst schädlichen Einfluss auf seinen
ohnehin schon siechen Körper haben muss, da dieser zuletzt bei
gänzlichem Mangel an substantieller Nahrung und jeder medizinischen
Hülfe beraubt solchen harten Stössen nicht lange widerstehen kann. Dies
scheint mir die wahre Ursache ihrer jährlichen Abnahme und allmählichen
gänzlichen Ausrottung zu sein, welche durch epidemische Krankheiten, die
sie haufenweise wegraffen, befördert wird.«

Auch auf friedlichem Wege wird ihre Zahl verringert: denn hier und auf
den Aleuten sind sie mit den Russen vielfach durch Heirathen
zusammengeschmolzen.

Allein auch auf den Aleuten haben sich die Russen meist nur feindselig
gezeigt. Namentlich sind es die russischen Wildjäger (Promyschlenniks,
welche von 1760-90 die Inseln beherrschten, Waitz 3, 313), die sich
durch wüste Grausamkeit auszeichnen. »Sie pflegten nicht selten Menschen
dicht zusammenzustellen und zu versuchen, durch wie viele die Kugel
ihrer gezogenen Büchse hindurchdringen könne«, sagt Sauer (aus dem
Tagebuch eines russischen Offiziers, das er in den Anhängen an seine
Reise mittheilt) bei Chamisso 177. Dazu kommt noch die sklavische
Knechtung, in welcher Kamtschadalen und Aleuten von den Russen gehalten
werden (Chamisso 177 und Langsdorff): wie denn z.B. die Hälfte der
gesammten männlichen Bevölkerung von 18-50 Jahren das ganze Jahr
hindurch unentgeltlich von ihnen in Anspruch genommen wird (Kittlitz 1,
295). Daher hat Waitz ganz Recht, wenn er die Nachrichten über das
milde Verfahren der Russen nicht eben hoch anschlägt (3, 313-14). Nach
den Schilderungen von Chamisso, der hier mit Kotzebue (1, 167--68) ganz
übereinstimmt, sind sie jetzt ein träges auch in seiner Freude trübes
und theilnahmloses Volk (Cham. 177), wozu sie in Folge des
unaufhörlichen Drucks geworden sind. Einzelne sollen sich, ähnlich wie
die »wilden Männer« von Tahiti, in die Berge geflüchtet haben und dort
ein kümmerliches Leben fristen (Chamisso 177).

Von der Inselwelt des stillen Ozeans kamen die Europäer zuerst in
dauernde Berührung mit den Marianen, wo die Spanier, als sie 1668
landeten eine sehr bedeutende Bevölkerung (100,000 ist nicht
übertrieben, wie wir schon sahen) auf der ganzen Kette vertheilt
fanden--und um 1710 war nur noch Guaham, die südlichste und grösste
Insel bewohnt, die anderen verödet. Der Krieg, welchen namentlich
Quiroga mit blutiger Tapferkeit führte, und der über 30 Jahre dauerte,
zahlreiche Epidemien, Verpflanzung der Eingeborenen von einem Distrikt
zum anderen (welches Mittel auch in Amerika die verheerendsten Folgen
hatte) trugen zu dieser Vernichtung das ihrige bei. Aber wenn auch nach
den Berichten, die wir haben und die ganz, wie le Gobien und Freycinet,
auf spanischen Quellen beruhen oder Erzählungen der bei der spanischen
Unterwerfung thätigen Jesuiten sind wie die Berichte im »neuen Weltbott«
(einer Missionzeitung a.d. Anfange des vorigen Jahrhunderts); wenn auch
nach diesen Quellen die Spanier nicht mit der empörenden Grausamkeit
verfuhren wie in Amerika: so ist es doch auffallend, dass wir ganz
dieselben Erscheinungen hier wie dort nach ihrem Auftreten finden,
wildeste Verzweiflung der Eingeborenen--welche hier wie dort anfangs den
Spaniern sehr freundlich entgegenkamen--massenhaftes Auswandern
derselben, zahllosen Selbstmord, künstliche Fehlgeburt oder Ermordung
der Kinder bei der Geburt und schliesslich und sehr bald totale
Entvölkerung der Inseln, welche für Guaham nur durch zahlreiche
Einführung philippinischer Tagalen verhütet ist. Wahrscheinlich hausten
also hier die Spanier mit derselben rohen Bedrückung und wilden
Grausamkeit, welche sie überall zum Fluch der neuentdeckten Länder
machte, nur dass hier, ganz ähnlich wie über das ebenso rasch
entvölkerte Honduras (Waitz 4, 280), unsere Quellen schweigen, oder nur
parteiisch und einseitig berichten. Sicher wird man aus dem Aussterben
der marianischen Bevölkerung keinen Schluss ziehen können zu Gunsten der
Ansicht, dass die Naturvölker, weil sie von schlechterer Organisation
seien, den Weissen erlägen.

Polynesien ist 3 Jahrhunderte später entdeckt worden als Amerika, eins
später als die Marianen; so sehen wir denn hier die kultivirte
Menschheit anders als bisher. Zwar zeigen die früheren Durchsegler des
Ozeans, die Spanier, Dampier, Roggeween, dieselbe Rohheit den
Naturvölkern gegenüber wie alle ihre Zeitgenossen; allein im Ganzen ist
man hier milder aufgetreten als sonst, wozu ausser dem kleineren Terrain
wie der geringeren Zahl, in welcher die Europäer demgemäss auftreten,
der Hauptgrund das Jahrhundert ist, in welchem man die meisten dieser
Inseln entdeckte. War es doch die Zeit des Philanthropismus und glaubte
man doch die erträumten Ideale von menschlicher Glückseligkeit, wie z.B.
Rousseau sie in Europa entwarf, hier im Leben der Südseeinsulaner
verwirklicht zu finden; ein Umstand, der für die Art, wie man den
Polynesiern entgegentrat, von grosser Bedeutung war. Und noch, wichtiger
war es, dass gleich nach der Entdeckung zu ihnen Missionäre der
protestantischen Kirche, denen es nicht auf Ausbreitung des christlichen
Namens und der äusseren Gebräuche, sondern da sie selbst im tiefsten
Herzen wahre Christen waren, auf die Emporhebung und Förderung der
Eingeborenen ankam. So steht der treffliche Wilson, der erste Missionär
der Südsee (1795), an der Spitze einer Reihe von Ehrenmännern, die, wenn
auch hin und wieder selbst nicht frei von menschlichen Schwächen, auf
das Wohlgemeinteste für diese Völker sorgten.

Allein weder sie noch der fortgeschrittene Geist der Jahrhunderte
konnten auch hier die bösen Wirkungen der Kultur und ihrer Träger
abwehren. Eine Reihe einzelner Brutalitäten, deren Helden meist
Schiffskapitäne und ihre Matrosen sind, kamen auch hier vor, welche
allerdings bei der geringen Anzahl der Einwohner für die einzelnen
Inseln gefährlich genug sein konnten und z.B. für Waihu verderblich
gewesen sind (Mörenhout 2, 278-79, der Genaueres und die Quellen gibt).

Aber auf die Dauer gefährlich wurden die Europäer durch die
Verbrecherkolonien, welche sie in der Südsee (Neuholland, Tasmanien und
sonst) anlegten. Denn eine Menge der deportirten Verbrecher entwichen
und indem sie sich auf verschiedenen Inseln des Ozeans umhertrieben oder
auf einzelnen festsetzten, schleppten sie ausser Krankheiten eine Menge
Laster ein oder reizten, was oft genug vorgekommen ist, die Eingeborenen
zum Krieg gegen die ankommenden Weissen, der meist den Eingeborenen
verderblich wurde; oder zum Widerstand gegen die Missionäre, der ihnen
nach anderer Seite hin schadete.

Ausserdem wird die Südsee durchkreuzt von einer Menge von Walern, welche
oft ziemlich lange Rast auf den einzelnen Inseln halten und deren
Mannschaft sehr oft aus dem Abschaum aller Völker zusammenfliesst. Auch
sie wirkten auf gleiche Weise ausserordentlich unheilvoll. Für Hawaii
allein schlägt Virgin (1, 269) die Zahl derselben auf jährlich 15-20,000
an und er erwähnt auch, wie die Syphilis durch sie fortwährend neue
Nahrung bekommt. Diesen Walern und ihrem entsittlichenden Einfluss
schreibt auch Gulick die Abnahme der Bevölkerung von Kusaie, von der
oben die Rede war, zu.

Ferner hat hier die Feindseligkeit, mit welcher die nicht geistlichen
Europäer den Missionären, meist aus Gewinn- oder Genusssucht,
entgegentraten (genauere Belege bei Meinicke b und Lutteroth) ganz
besonders nachtheiligen Einfluss ausgeübt; und nicht minder der Streit,
welchen die katholische Kirche in der Südsee mit den evangelischen
Missionären anfing. Frankreich war es, welches als »Werkzeug der
Propaganda« (Lutteroth 164) in diesem Theil der Welt auftrat und die Art
und Weise, wie es das gethan hat, war keineswegs im Interesse der
Polynesier. Erstaunt man schon über die Orgien, welche seine Vertreter
verübten--so Dumont d'Urville auf Nukuhiva (4, 5, ff.), Laplace und die
Mannschaft der Artemise auf Tahiti (Lutteroth 167), so erstaunt man noch
mehr über die Unbefangenheit, mit welcher die französischen
Schriftsteller über diese schmachvollen Vorgänge als etwas ganz
Selbstverständliches reden. Will man die Eingeborenen dieser Inseln
heben, so muss man ihr Selbstgefühl zu fördern suchen, man muss, indem
man die Laster, die ihnen so viel geschadet haben, unterdrückt, auf ihre
guten Seiten belebend und kräftigend einwirken: von allem aber hat die
französische Okkupation der Insel Tahiti nur das Gegentheil bewirkt und
wie man aus der brutalen Art schliessen kann, mit der sie verfuhr, auch
gewollt. Wenigstens geht aus allem hervor, dass die Einwanderer die
Eingeborenen hier nicht höher schätzten, als einst die Spanier oder
Engländer die Amerikaner. In Neuseeland, wo die Engländer fest sich
niedergelassen und denselben Raçenhochmuth gegen die Eingeborenen
gezeigt haben, hat ausser diesem letzteren und anderem schon erwähnten
namentlich der massenhafte Landverkauf schädlich gewirkt, auf welchen
die Neuseeländer, ohne recht zu wissen, warum es sich handele, eingingen
und wobei sie oft genug--so namentlich von der Neuseelandcompagnie--sich
betrogen sahen. Sie geriethen durch den Mangel an Land in grosse Noth,
durch den Betrug aber in grosse Wuth und die Kriege, welche noch bis vor
kurzem geführt wurden, beruhen wesentlich auf diesen Gründen
(Hochstetter 483-97). Durch alles dies, die Kriege nicht in letzter
Reihe, ist natürlich das Emporkommen der Eingeborenen sehr gehindert.

In Melanesien haben namentlich die Sandelholzhändler, meist englische
oder amerikanische Capitäne, der Bevölkerung geschadet, da sie, um zu
ihrer Waare zu kommen, oft die gewaltsamsten und scheusslichsten Mittel
anwenden. Sie schlagen das Sandelholz nieder, wo sie es finden: daher
sie häufig in Streit mit den Eingeborenen gerathen. Und in einem solchen
Kampfe auf Tanna kam es vor, dass, als die Eingeborenen in eine Höhle im
Gebirge flohen, die nachfolgenden Matrosen vor derselben ein Feuer
anzündeten und durch den Rauch alle in der Höhle befindlichen
umbrachten! Auch rauben sie zu ihren Arbeiten Eingeborene der Inseln und
schleppen sie mit sich fort, welche dann häufig dem Heimweh und der
Ueberbürdung mit Arbeit erliegen (Turner 493 vergl. 464). Auf allen
Inseln Melanesiens sind sie gleichmässig gefürchtet (Cheyne).

Meinicke (a 2, 217) hält die Neuholländer für einen der Kultur absolut
unzugänglichen Menschenstamm. Andere Schriftsteller haben auch
behauptet, ein friedliches Auskommen mit ihnen sei ganz unmöglich.
Allein die Engländer haben sich nie die Mühe gegeben, auch nur in ein
erträgliches Verhältniss mit ihnen zu kommen: und dass dies sehr leicht
gewesen wäre, beweisen zunächst einzelne Beispiele (Waitz 1 184 ff.),
wie vor allen das Greys, der überall friedlich mit ihnen fertig geworden
ist, dann aber geht es aus dem ganzen Betragen der Eingebornen hervor,
die eher scheu als kriegerisch, im Anfang den Weissen freundlich
entgegen kamen, ja sogar ihre Niederlassung im eignen Gebiet wünschten
(Grey 2, 234-35). Auch Meinicke, der wahrlich nicht für die Neuholländer
Partei nimmt, gibt das zu (a 2, 214). Ihre vielfach behauptete wilde
Blutgier ist nichts als Fabel--wohl aus dem naheliegenden Grund
erfunden, um nun gegen sie desto rücksichtsloser zu verfahren. Und das
ist reichlich geschehen. Zunächst machte man ihr Land vornehmlich zum
Deportationsort von Verbrechern; Neu-Süd-Wales war Verbrecherkolonie bis
1843: Westaustralien, das nach Grey's Zeugniss 2, 364 höher stand als
der Osten des Continents, weil es keine Verbrecherkolonie war, ist es
neuerdings geworden (Waitz 1, 185) und dass die Ureinwohner die höhere
Kultur, welche durch diese Sträflinge und ihre Frevelthaten sich
zunächst bei ihnen ankündigte, »strenge von sich abwiesen« (Meinicke 2,
217): sollte ihnen das nicht eher zum Lobe gereichen? Sodann hat die
englische Krone die Rechte der Eingeborenen an ihr Land nie anerkannt;
sie hat genommen was sie wollte, und als dann die Eingeborenen in Folge
von Nahrungs-und Landmangel zu Bettlern und Räubern geworden waren, hat
man hierin ein Zeichen ihrer Unverbesserlichkeit durch die Kultur
gesehen und sie mit allen Mitteln verfolgt. Später freilich, und auch
dies erst in Folge der schreiendsten Misshandlungen durch die Weissen,
hat man sie unter die englischen Gesetze gestellt, allein diese wirken
wenig zu ihren Gunsten (Grey 2, 368). Denn abgesehen davon, dass die
Eingeborenen so gut wie gar nicht zeugnissfähig vor Gericht sind, so
werden auch die Gesetze meist nur da angewandt, wo sie gegen dieselben,
nicht wo sie zu ihren Gunsten sprechen; ihre Verbrechen an den Weissen
werden gestraft, nicht aber umgekehrt die der Weissen an ihnen, und
letztere Verbrechen sind viel zahlreicher. 1838 weigerten sich die
Geschworenen eine Anzahl Weisser zu verurtheilen, welche 28 Eingeborene
ganz ohne Grund abgeschlachtet hatten (Waitz 1, 184). Man schiesst
(Breton 200) die Eingeborenen öfters zum Vergnügen nieder, da sie in
den Augen der Kolonisten nicht höher stehen, wie etwa der Orang Utang.
Ja man hat sie an verschiedenen Orten schaarenweise vergiftet (Eyre
Journal of expedd. into Central-Austral. 1845 2, 176 Note: Waitz 186);
nach Byrne (12 years wanderings in the british colonies 1848 1, 275,
Waitz eb.) ist das an vielen Gegenden von Neu-Süd-Wales durch Arsenik
geschehen und man hat sich laut und öffentlich dieser That gerühmt.

Natürlich ist für ihre Emporhebung so gut wie nichts geschehen; denn was
wollen die edeln Bemühungen einzelner Männer, wie der Missionäre, sagen,
wenn das ganze Volk der Kolonisten anders handelt? Grey (2, 364 ff.)
stellt zusammen, worin man an ihnen gefehlt hat: man betrachtet sie als
niedere Raçe und behandelt sie deshalb mit dem grössten Vorurtheil und
der grössten Willkühr. Werden sie zur Arbeit gedungen, so zahlt man
ihnen oft fast nichts, immer aber weit geringeren Lohn als den
Europäern. Natürlich schweifen sie lieber bettelnd umher. Sie unter
englischen Rechtsschutz zu stellen war wohlgemeint: allein man hätte die
englischen Gesetze auch auf das Unrecht, was sie einander selbst thun,
anwenden sollen, während jetzt (Grey gibt Beispiele aus Perth) die
Europäer ruhig zusehen, wenn Eingeborene von Eingeborenen ermordet
werden; man hat durch diese Art der Einführung des englischen Rechts
nichts erreicht, als dass die älteren Eingeborenen die jüngeren durch
grausame Behandlung von der Annahme neuer Sitten abschrecken (Grey 2,
376). Es ist nach alledem kein Wunder, wenn sie sich von der Kultur, die
sie so namenlos elend gemacht hat und fortfährt, sie als wilde Thiere zu
behandeln, streng abwenden, obwohl sie geschickt genug sind, sie unter
sich aufzunehmen und sich höher zu entwickeln (Grey 2, 374). Grey selbst
erzählt einen Fall (2, 369), dass ein europäisch unterrichteter
Eingeborener, der manche Fähigkeiten sich erworben hatte, wieder
zurückkehrte zu den uncivilisirten Seinen, in die wilden Wälder.
Wollen wir ihn tadeln, dass er nicht lieber, wie es in Prutzs
geistreichem-Lustspiel von ähnlichen Verhältnissen heisst,

Ein Lump auf Griechisch ist, als ein honetter Tektosage?

Bei den Seinen hatte er Familie, Ehre, Vermögen; in der Kolonie war er
verachtet, ehrlos, arm. »Ich hätte ebenso gehandelt«, sagt Grey.

Aus allem Angeführten geht hervor, dass es sehr unrecht ist, wenn man
aus der Feindseligkeit der Neuholländer gegen die Kultur schliesst, sie
seien überhaupt jeglicher höheren Bildung unfähig. Nicht sie haben die
Kultur, die Kultur hat sie von sich gestossen.

Die Eingeborenen Tasmaniens, welche noch friedfertiger waren als die
Neuholländer, sind schon vernichtet. Auch hier war eine
Verbrecherkolonie und was für Früchte sie den Eingeborenen trug, zeigt
folgende Geschichte: ein Sträfling überredete einen Eingeborenen, dem er
eine geladene Flinte gab, wenn er dieselbe in sein Ohr losdrücke, so
würde er eine sehr angenehme Empfindung haben. Er machte ihm, was er zu
thun habe, mit einer ungeladenen Flinte vor; worauf natürlich der
Eingeborene sich erschoss (Holman a voyage round the world [1827-1832]
4, 403). Auch sonst wurden sie, wie offiziell festgestellt ist, aufs
schmählichste, wie wilde Thiere behandelt. Gleich bei der ersten
Ansiedelung schoss ein Offizier zum Vergnügen mit Kartätschen unter die
friedlichen Eingeborenen (Bischof, Sketch of the hist. of V. Diemensl.
204); andere Schandthaten gleicher Art kamen häufig vor und erst seit
1810, sieben Jahre nach der Kolonisation ward festgestellt, dass die
Ermordung eines Eingeborenen als Mord gelten und bestraft werden sollte
(Hobarttown Almanak for the year 1830, 201). So erhoben sich endlich
(1826) die erbitterten Eingeborenen zu einem Krieg auf Leben und Tod, in
welchem sie gefährlich genug wurden, schliesslich aber--war doch auf das
Einfangen eines Erwachsenen 5 Pfund, auf das eines Kindes 2 Pfund als
Preis gesetzt (Van Diemensland Almanak for the year 1831 p.
161)--schliesslich unterlagen sie. Darwin, welcher auch der Meinung ist,
dass ihre Vernichtung in dem »schändlichen Betragen« der Engländer ihren
Grund hatte, vergleicht den Krieg gegen sie mit einer der grossen
ostindischen Jagden (2, 226). Besiegt wurden sie nach Flinders Insel
deportirt (Darwin a.a.O.); 1848 verpflanzte man sie nach Oyster Cove im
Canal d'Entrecasteaux und jetzt werden sie wohl, vor dem Hauche einer
solchen Kultur, ganz ausgestorben sein (Melville the present state of
Australia 1851 370, Nixon 18). 1815 betrug ihre Zahl noch 5000, 1835
(nach dem Kriege) noch 111, 1847 waren noch 13 Männer, 22 Weiber und 10
Kinder übrig; 1854 waren, nachdem 29 gestorben und kein Kind weiter
geboren war, noch 16 übrig (Petermann 1856, 441 nach dem Blaubuch).
Nirgends fand Darwin die Vermehrung eines civilisirten über ein
uncivilisirtes Volk auffallender wie hier: nirgends aber ist auch die
Vernichtung der Eingeborenen roher und rücksichtsloser betrieben, als in
Tasmanien (Bischof, Sketch of the hist. of V. Diemensland 1832,
appendix); wobei wohl in Anschlag zu bringen ist, dass alle diese
Scheusslichkeiten im 19. Jahrhundert ausgeübt sind.




§ 18. Geographische Vertheilung der einzelnen Gründe für das Aussterben
der Naturvölker. Vergleichung dieser Gründe in Bezug auf ihr Gewicht.


Sorglosigkeit der Völker also gegen sich, in leiblicher und geistiger
Beziehung: ihre Ausschweifungen, so wie der geringe Werth, welchen sie
dem Menschenleben geben; Druck der einheimischen Fürsten; dann ihr
leibliches und geistiges Verkommen durch die nothwendigen Einwirkungen
einer übermächtigen und von ihnen nur theilweise angenommenen Kultur, so
wie endlich die Mittel, welche die Kulturvölker theils aus Rohheit,
theils mit der Absicht gegen sie anwandten, sie auszurotten: diese
Gründe waren es, welche wir bisher als Schuld an ihrem Aussterben
bezeichneten. Natürlich haben diese Gründe, wie wir schon sahen, nicht
alle überall Geltung und es wird nöthig sein, dass wir sie, inwiefern
sie bei den einzelnen Völkern wirksam waren, hier kurz zusammenstellen.

In Tasmanien ist die Bevölkerung lediglich in Folge des englischen
Vernichtungskrieges gegen sie zu Grunde gegangen. Gleichfalls nur dem
Einfluss der Europäer und zwar der Spanier erlegen sind die Bewohner der
Marianen und der Antillen: allerdings haben hier die Seuchen, welche im
Gefolge der Europäer ausbrachen, den Weissen die Blutarbeit wesentlich
erleichtert: allerdings hat die tiefe Niedergeschlagenheit, welche sich
der Eingeborenen bemächtigte, wesentlich diese Krankheiten und das
Aussterben befördert. Aber beides, Krankheiten und Melancholie, waren
erst durch das Auftreten der Europäer hervorgerufen; und gesetzt auch,
die Seuchen hätten diese Völker ohne die Europäer überfallen, so würden
sie dieselben wohl überwunden haben, wie ja auch die Bevölkerung Mexikos
das schwarze Erbrechen, welches schon vor Ankunft der Spanier in
verheerender Weise wüthete, siegreich ohne bleibenden Nachtheil
überstanden hat.

Den Europäern allein ist ferner das Verderben der Mexikaner und Peruaner
zuzuschreiben: nur dass sie am Anfang unterstützt wurden von
verschiedenen eingeborenen Stämmen und Völkern, welche mit dem Hauptland
in Feindschaft waren, bis auch diese nach und nach der europäischen
Bedrückung erlagen.

Der schlimme Einfluss der Weissen und die Seuchen, welche sie brachten,
    
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