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Aus meinem Leben, Erster Teil
Author Language Character Set
August Bebel German UTF-8


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seines Glückes Schmied, blutwenig halte. Der Mensch folgt stets nur den
Umständen und Verhältnissen, die ihn umgeben und ihn zu seinem Handeln
nötigen. Es ist also auch mit der Freiheit seines Handelns sehr windig
bestellt. In den meisten Fällen kann der Mensch die Konsequenzen seines
momentanen Handelns nicht übersehen; er erkennt erst später, zu was es
ihn geführt hat. Ein Schritt nach rechts statt nach links, oder
umgekehrt, würde ihn in ganz andere Verhältnisse gebracht haben, die
wiederum bessere oder schlechtere sein könnten als jene, in die er auf
dem eingeschlagenen Wege gekommen ist. Den klugen wie den falschen
Schritt erkennt er in der Regel erst an den Folgen. Oftmals kommt ihm
aber auch die richtige oder falsche Natur seines Handelns nicht zum
Bewußtsein, weil ihm die Möglichkeit des Vergleichs fehlt. Der
Selfmade-man existiert nur in sehr bedingtem Maße. Hundert andere, die
weit ausgezeichnetere Eigenschaften haben als der eine, der obenauf
gekommen ist, bleiben im verborgenen, leben und gehen zugrunde, weil
ungünstige Umstände ihr Emporkommen, das heißt die richtige Anwendung
und Ausnutzung ihrer persönlichen Eigenschaften verhinderten. Die
„glücklichen Umstände“ geben erst dem einzelnen den richtigen Platz im
Leben. Für unendlich viele, die diesen richtigen Platz nicht erhalten,
ist des Lebens Tafel nicht gedeckt. Sind aber die Umstände günstig, so
muß allerdings die nötige Anpassungsfähigkeit vorhanden sein, sie
auszunutzen. Das kann man als das persönliche Verdienst des einzelnen
ansehen.

Ich holte die drei Freunde ein, noch ehe sie Thüringen erreicht hatten,
und kam gerade recht, um den einen, der bereits wunde Füße hatte,
hilfreich unter den Arm zu nehmen, was beim Durchwandern der Orte bei
den Bewohnern öfters Heiterkeit erregte. Wir passierten Ruhla, Eisenach,
Gotha und kamen nach Erfurt. Hier übernachteten wir zum ersten Male in
der Herberge eines christlichen Jünglingsvereins. Aber nur einmal und
nicht wieder. Das muckerische, schleichende Wesen des Herbergsvaters
widerte mich an. Am Abend mußten wir auf Kommando gemeinsam zu Bett
gehen. Als wir die erste Etage erstiegen hatten, öffnete sich die Tür zu
einem kleinen Saal, und eine Choralmelodie tönte uns entgegen, die ein
glatt gescheitelter, hellblonder Jüngling auf einem Harmonium spielte.
Ueberrascht traten wir ein, neugierig auf die Dinge, die da kommen
würden. Darauf trat der Herbergsvater auf ein Podium und las aus einem
Gesangbuch einen Vers Zeile für Zeile vor. Die zitierte Zeile hatten wir
unter Begleitung durch das Harmonium nachzusingen. Aehnliches war mir in
einem katholischen Gesellenvereinshaus nicht passiert. In München zum
Beispiel war an der Wand der Stube, in der wir zu zweit schliefen, ein
gedrucktes Gebet angeschlagen mit dem Ersuchen, es vor dem Zubettgehen
zu beten. Von einem moralischen Zwang keine Spur. Ich wiederhole, wie es
seitdem in den katholischen Gesellenvereinen geworden ist, weiß ich
nicht.

In Erfurt fing der geschilderte Vorgang an, uns zu amüsieren. Wir
brüllten wie Löwen die vorgespielte Melodie mit dem zitierten Text. Dann
ging's höher hinauf in den Schlafsaal. Nachdem vorschriftsmäßig unsere
Hemdkragen auf fremde Bewohner untersucht worden waren, stiegen wir zu
Bett. Darauf entfernte sich der Herbergsvater mit dem Licht, und
schwarze Dunkelheit herrschte. Jetzt ging aber unter den Dutzenden
junger Leute, unter denen fast alle deutschen Landsmannschaften
vertreten waren, ein Ulken und Spotten los, wie es mir bisher noch nicht
zu Ohren gekommen war. Die Heiterkeit erreichte ihren Höhepunkt, als in
der entfernteren Ecke des Saales ein Schlafgenosse aus Württemberg im
unverfälschtesten Schwäbisch einige humoristische Bemerkungen machte.
Erst spät nahm der Lärm ein Ende. Nächsten Tages marschierten wir nach
Weimar. Hier erklärten meine Begleiter, nicht weitergehen zu können,
denn alle drei hatten sich die Füße wundgelaufen; sie wollten mit der
Bahn nach Leipzig fahren. Ich protestierte dagegen, denn mein Geld war
sehr knapp, und was dann, wenn es in Leipzig keine Arbeit gab? Doch mein
Protest half nichts, wollte ich nicht allein reisen, so mußte ich
mitfahren. Am 7. Mai 1860, abends 11 Uhr, kamen wir in Leipzig an und
frugen uns durch nach der Herberge in der Großen Fleischergasse. Als wir
nächsten Tages beim herrlichsten Maiwetter die Stadt und die in voller
Frühjahrspracht stehenden Promenaden besichtigten, gefiel mir Leipzig
ungemein. Ich hatte auch Glück und bekam Arbeit, und zwar in einer
Werkstatt, in der ich den Artikel kennen lernte, auf den ich mich später
selbständig machte. Traf ich vierundzwanzig Stunden später in Leipzig
ein, so wäre die Stelle von einem anderen besetzt worden. So entschied
hier wieder „ein Augenblick des Glückes“ über meine Zukunft. Zum
zweitenmal arbeitete ich in einer größeren Werkstatt. Es wurden fünf
Kollegen und ein Lehrling neben mir beschäftigt. Meister und Kollegen
gefielen mir, die Arbeit auch, bei der sich etwas lernen ließ. Was mir
aber nicht gefiel, war der schlechte Kaffee, den wir morgens erhielten,
und das an Quantität und Qualität äußerst mangelhafte Mittagessen.
Frühstück, Vesper und Abendbrot mußten wir uns selbst stellen. Die
Schlafstelle war beim Meister; wir schliefen sieben Mann in einer
geräumigen Bodenkammer. Ich fing sehr bald an, gegen die Kost zu
rebellieren. In einigen Wochen hatte ich die Kollegen so weit, daß sie
sich zu einer gemeinsamen Beschwerde bei dem Meister verstanden, wobei
wir erklärten, gemeinsam die Arbeit einzustellen, falls unsere
Beschwerde keinen Erfolg hätte. Wir drohten also mit Streik, noch ehe
einer von uns dieses Wort gehört hatte. Die Form der Abwehr ergab sich
eben aus der Sache selbst. Der Meister war äußerst betreten, er
erklärte, er verstehe die Klagen nicht, ihm schmecke das Essen
ausgezeichnet. Das war natürlich. Er aß mit seiner Familie später als
wir und bekam ein anderes Essen. Das wußte er nicht. Nach wiederholten
Verhandlungen erreichten wir, daß wir gegen entsprechende Entschädigung
von seiner Seite die Selbstbeköstigung durchsetzten, wobei er, wie er
behauptete, finanziell noch profitierte. Er hatte seiner Frau mehr für
unsere Verpflegung zahlen müssen, als wir forderten. Später erreichten
wir durch hartnäckiges Liegenbleiben im Bett, daß der Beginn der
Arbeitszeit von morgens 5 Uhr auf 6 Uhr hinausgeschoben wurde. Noch
später setzten wir auch die Stückarbeit durch, auf die der Meister nicht
eingehen wollte, weil er fürchtete, schlechte Arbeit geliefert zu
bekommen, worin er sich täuschte, wie er sich nachher überzeugte.
Schließlich erlangten wir auch das Wohnen außer dem Hause.




Mein Eintritt in die Arbeiterbewegung und das öffentliche Leben.


Die Uebernahme der Regentschaft in Preußen durch den Prinzen Wilhelm von
Preußen, den Bruder König Friedrich Wilhelms IV., sowie der italienische
Krieg hatten das Volk mächtig aufgerüttelt. Der Druck der
Reaktionsjahre, der seit 1849 auf dem Volke lastete, war gewichen.
Insbesondere war es die liberale Bourgeoisie, die jetzt sich politisch
zu regen begann, nachdem sie während der Reaktionsjahre ihre ökonomische
Entwicklung nach Kräften gefördert hatte und sehr viel reicher geworden
war. Immerhin kann ihre damalige Entwicklung keinen Vergleich aushalten
mit der Entwicklung, die ihr Wirtschaftssystem nach 1871 und besonders
seit den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erlangt hat.

Die Bourgeoisie verlangte jetzt ihren Anteil an den Staatsgeschäften,
sie wollte nicht nur in Preußen parlamentarisch herrschen, in ihrer
großen Mehrheit erstrebte sie auch eine Einheit Deutschlands unter
preußischer Spitze, um ganz Deutschland politisch und wirtschaftlich zu
einem von einheitlichen Grundsätzen geleiteten Staatswesen zu machen,
wie das durch die Revolution von 1848 und 1849 und das damalige deutsche
Parlament vergeblich versucht worden war. Dieses Bestreben kam durch die
Gründung des Deutschen Nationalvereins im Jahre 1859 zum Ausdruck,
dessen Präsident Rudolf v. Bennigsen wurde. Die Berufung des
altliberalen Ministeriums Auerswald-Schwerin durch den Prinzregenten
schwellte die Hoffnungen des Liberalismus. Das veröffentlichte Programm
des Prinzregenten hätte freilich große Hoffnungen nicht gerechtfertigt,
wogegen ihn auch seine Vergangenheit und namentlich seine Rolle in den
Revolutionsjahren hätte schützen sollen. Aber die liberale Bourgeoisie
sah eine neue Aera hereinbrechen.

Der Liberalismus ist stets hoffnungsselig, sobald ihm nur der Schein
eines liberalen Regimentes winkt, soviel Enttäuschungen er auch im Laufe
der Jahrzehnte erlebte. Weil ihm selbst der Mut und die Energie zu
kräftigem Handeln fehlt und er vor jeder wirklichen Volksbewegung Angst
hat, setzt er seine Hoffnungen stets auf die Regierenden, die ihm
scheinbar oder wirklich etwas entgegenkommen. Durch den Enthusiasmus und
das blinde Vertrauen, das er solchen Persönlichkeiten entgegenbringt,
hofft er dieselben seinen Interessen dienstbar zu machen. Im
vorliegenden Falle wurden die Blüten seiner Hoffnungen bald genug
geknickt. Der Prinzregent, vom Scheitel bis zur Sohle Soldat, empfand
zunächst das Bedürfnis einer gründlichen Militärreform auf Kosten der
bis dahin geltenden Landwehreinrichtungen. Nach seiner Auffassung hatte
sich die geltende preußische Heeresorganisation während und nach der
Revolution, sowie bei der Mobilmachung im Jahre 1859 nicht bewährt. Die
Verwirklichung seiner Pläne kostete aber nicht nur viel mehr Geld, sie
verstießen auch gegen die Traditionen, die sich im Volke seit 1813 über
die Brauchbarkeit der Landwehr gebildet hatten; außerdem wurde in der
neuen Organisation die Verlängerung der Dienstzeit von zwei auf drei
Jahre und für die Reserve von zwei auf vier Jahre verlangt.

Die Landwehr hatte allerdings in den Revolutionsjahren hier und da
versagt, sie fühlte sich zu sehr eins mit dem Volke und war nicht ohne
weiteres für reaktionäre Handstreiche zu haben, und für einen Krieg, der
nicht populär war, war sie ebenfalls schwer zu brauchen. Das war es
aber, was den Prinzregenten mit bewegte, sie bei der neuen Organisation
nach Möglichkeit in den Hintergrund zu drängen. Als aber die
Reorganisation ohne die ausdrückliche Zustimmung der Kammer, die,
kurzsichtig genug, zunächst die Mittel provisorisch bewilligt hatte,
definitiv eingerichtet wurde, begannen die Liberalen, die in der Zweiten
Kammer die Mehrheit hatten, aufsässig zu werden. Allein der Prinzregent
ließ sich nicht irre machen und reorganisierte weiter. Das rief den
Konflikt hervor. Die Wahlen im Dezember 1861 verstärkten die Opposition.
Obgleich die Regierung durch Gewährung liberaler Konzessionen
(Ministerverantwortlichkeitsgesetz und eine neue Kreisordnung) die
Kammer zu gewinnen suchte, lehnte diese jetzt die geforderten Kosten für
die Heeresorganisation ab. Darauf erfolgte im März 1862 die Auflösung
der Kammer, die aber das Resultat hatte, daß bei den Neuwahlen im Mai
dieselbe noch weit radikaler zusammengesetzt wurde. Die Konservativen
waren auf elf Mann zusammengeschmolzen.

Der Konflikt spitzte sich immer mehr zu, und der König, der keinen Rat
mehr wußte, berief jetzt Herrn v. Bismarck, der preußischer Gesandter
bei dem Bundestag in Frankfurt a. M. war — September 1862 —, an die
Spitze des mittlerweile konservativ zusammengesetzten Ministeriums. Das
war derselbe Bismarck, den schon 1849 Friedrich Wilhelm IV. als roten
Reaktionär, der nach Blut rieche, bezeichnet hatte. Der Konflikt
zwischen Regierung und Kammer erlangte damit seinen Höhepunkt.

In der deutschen Frage war mittlerweile ebenfalls die Bewegung in ganz
Deutschland immer lebendiger geworden und schlug hohe Wogen. Der
Nationalverein verlangte die Einberufung eines deutschen Parlamentes auf
Grund der Reichsverfassung und des Wahlgesetzes von 1849. Zugleich
sollte Preußens Rivale, Oesterreich, in Rücksicht auf seine starken
nichtdeutschen Bevölkerungsteile aus diesem neuen Reiche hinausgedrängt
werden. Die Mehrheit des Nationalvereins wollte ein Kleindeutschland
bilden im Gegensatz zu jenen, die Deutsch-Oesterreich nicht
ausgeschlossen sehen wollten und sich deshalb Großdeutsche nannten.
Diese Gegensätze beherrschten die Kämpfe für die Lösung der deutschen
Frage in der ersten Hälfte der sechziger Jahre. Daneben ging die
sogenannte Triasidee, wonach neben Oesterreich und Preußen die Mittel-
und Kleinstaaten eine Vertretung in der künftigen Reichsbildung
forderten, die aus einem dreiköpfigen Direktorium bestehen sollte.

Den Umfang, den die Bewegung angenommen hatte, und die große Bedeutung,
die sie noch erlangen konnte, veranlaßt die weitsichtigeren Liberalen,
beizeiten ihr Augenmerk auf die Arbeiter zu richten und diese für ihre
politischen Ziele zu gewinnen. Was sich in den letzten fünfzehn Jahren
in Frankreich abgespielt hatte, die rapide Entwicklung der
sozialistischen Ideen, die Junischlacht, der Staatsstreich Louis
Bonapartes und seine demagogische Ausnutzung der Arbeiter gegen die
liberale Bourgeoisie, ließ es den Liberalen ratsam erscheinen, womöglich
ähnlichen Vorkommnissen in Deutschland vorzubeugen. So benutzten sie vom
Jahre 1860 ab den Drang der Arbeiter nach Gründung von Arbeitervereinen
und förderten diese, an deren Spitze sie ihnen zuverlässig erscheinende
Personen zu bringen suchten.

Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands hatte zwar in jener Zeit
erhebliche Fortschritte gemacht, aber immerhin war Deutschland damals
noch überwiegend ein kleinbürgerliches und kleinbäuerliches Land. Drei
Viertel der gewerblichen Arbeiter gehörten dem Handwerk an. Mit Ausnahme
der Arbeit in der eigentlichen schweren Industrie, dem Bergbau, der
Eisen- und Maschinenbauindustrie, wurde die Fabrikarbeit von den
handwerksmäßig arbeitenden Gesellen mit Geringschätzung angesehen. Die
Produkte der Fabrik galten zwar als billig, aber auch als schlecht, ein
Stigma, das noch sechzehn Jahre später der Vertreter Deutschlands auf
der Weltausstellung in Philadelphia, Geheimrat Reuleaux, der deutschen
Fabrikarbeit aufdrückte. Für den Handwerksgesellen galt der
Fabrikarbeiter als unterwertig, und als Arbeiter bezeichnet zu werden,
statt als Geselle oder Gehilfe, betrachteten viele als eine persönliche
Herabsetzung. Zudem hatte die große Mehrzahl dieser Gesellen und
Gehilfen noch die Ueberzeugung, eines Tages selbst Meister werden zu
können, namentlich als auch in Sachsen und anderen Staaten anfangs der
sechziger Jahre die Gewerbefreiheit zur Geltung kam. Die politische
Bildung dieser Arbeiter war sehr gering. In den fünfziger Jahren, das
heißt in den Jahren der schwärzesten Reaktion groß geworden, in
denen alles politische Leben erstorben war, hatten sie keine
Gelegenheit gehabt, sich politisch zu bilden. Arbeitervereine oder
Handwerkervereine, wie man sie öfter nannte, waren nur ausnahmsweise
vorhanden und dienten allem anderen, nur nicht der politischen
Aufklärung. Arbeitervereine politischer Natur wurden in den meisten
deutschen Staaten nicht einmal geduldet, sie waren sogar auf Grund eines
Bundestagsbeschlusses aus dem Jahre 1856 verboten, denn nach Ansicht des
Bundestags in Frankfurt a.M. war der Arbeiterverein gleichbedeutend mit
Verbreitung von Sozialismus und Kommunismus. Sozialismus und Kommunismus
waren aber wieder uns Jüngeren zu jener Zeit vollständig fremde
Begriffe, böhmische Dörfer. Wohl waren hier und da, zum Beispiel in
Leipzig, vereinzelte Personen, wie Fritzsche, Vahlteich, Schneider
Schilling, die vom Weitlingschen Kommunismus gehört, auch Weitlings
Schriften gelesen hatten, aber das waren Ausnahmen. Daß es auch Arbeiter
gab, die zum Beispiel das Kommunistische Manifest kannten und von Marx'
und Engels' Tätigkeit in den Revolutionsjahren im Rheinland etwas
wußten, davon habe ich in jener Zeit in Leipzig nichts vernommen.

Aus alledem ergibt sich, daß die Arbeiterschaft damals auf einem
Standpunkt stand, von dem aus sie weder ein Klasseninteresse besaß, noch
wußte, daß es so etwas wie eine soziale Frage gebe. Daher strömten die
Arbeiter in Scharen den Vereinen zu, die die liberalen Wortführer
gründen halfen, die den Arbeitern als Ausbund der Volksfreundlichkeit
erschienen.

Diese Arbeitervereine schossen nun zu Anfang der sechziger Jahre aus dem
Boden wie die Pilze nach einem warmen Sommerregen. Namentlich in
Sachsen, aber auch im übrigen Deutschland. Es entstanden in Orten
Vereine, in denen es später viele Jahre währte, bis die sozialistische
Bewegung dort einigen Boden fand, obgleich der frühere Arbeiterverein
mittlerweile eingegangen war.

In Leipzig war damals das politische Leben sehr rege. Leipzig galt als
einer der Hauptsitze des Liberalismus und der Demokratie. Eines Tages
las ich in der demokratischen „Mitteldeutschen Volkszeitung“, auf die
ich abonniert war und die der Achtundvierziger Dr. Peters redigierte,
der Ehemann der bekannten verstorbenen Vorkämpferin für die Frauenrechte
Luise Otto-Peters, die Einladung zu einer Volksversammlung zur Gründung
eines Bildungsvereins. Diese Versammlung fand am 19. Februar 1861 im
Wiener Saal statt, einem Lokal, das in der Nähe des Rosentals in einem
Garten stand. Als ich in das Lokal trat, war dasselbe bereits überfüllt.
Mit Mühe fand ich auf der Galerie Platz. Es war die erste öffentliche
Versammlung, der ich beiwohnte. Der Präsident der Polytechnischen
Gesellschaft, Professor Dr. Hirzel, hatte das Referat, der mitteilte,
daß man einen Gewerblichen Bildungsverein als zweite Abteilung der
Polytechnischen Gesellschaft gründen wolle, weil Arbeitervereine auf
Grund des Bundestagsbeschlusses von 1856 in Sachsen nicht geduldet
würden. Dagegen erhob sich Opposition. Neben Professor Roßmäßler, der
Mitglied des deutschen Parlaments in Frankfurt a.M. gewesen und von
seiner Professur an der Forstakademie zu Tharandt durch Herrn von Beust
gemaßregelt worden war, nahmen Vahlteich und Fritzsche das Wort und
verlangten volle Selbständigkeit des Vereins, der ein politischer sein
müsse. Die Verfolgung von Unterrichtszwecken sei Sache der Schule, nicht
eines Vereins für Erwachsene. Ich war zwar mit diesen Rednern nicht
einverstanden, aber es imponierte mir, daß Arbeiter den gelehrten Herren
so kräftig zu Leibe rückten, und wünschte im stillen, auch so reden zu
können.

Der Verein wurde gegründet, und obgleich die Opposition ihren Zweck
nicht erreicht hatte, trat sie dem Verein bei. Ich wurde ebenfalls an
jenem Abend Mitglied. Der Verein wurde in seiner Art eine Musteranstalt.
Vortragende für wissenschaftliche Thematas waren in Menge vorhanden. So
neben Professor Roßmäßler, Professor Bock — der Gartenlaube-Bock und
Verfasser des Buches vom gesunden und kranken Menschen —, die
Professoren Wuttke, Wenck, Marbach, Dr. Lindner, Dr. Reyher, Dr.
Burckhardt und andere. Später folgten Professor Biedermann, Dr. Hans
Blum, von dem die Sage ging, daß er während seiner Studentenzeit sich
auf seiner Visitenkarte als Student der Menschenrechte bezeichnet habe,
Dr. Eras, Liebknecht, der im Sommer 1865 nach Leipzig kam, und Robert
Schweichel. Einer der fleißigsten Vortragenden im ersten Jahre war Dr.
Dammer, der später der erste von Lassalle eingesetzte Vizepräsident des
Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins wurde. Unterricht wurde erteilt im
Englischen, Französischen, in Stenographie, gewerblicher Buchführung,
deutscher Sprache und Rechnen. Auch wurde eine Turn- und Gesangabteilung
gegründet. Ersterer trat Vahlteich bei, der ein großer Turner vor dem
Herrn war und blieb, der Gesangabteilung traten Fritzsche und ich bei.
Fritzsche sang vorzüglich zweiten Baß, ich ersten, den bekanntlich jeder
singt, der keine Singstimme hat.

An der Spitze des Vereins stand ein vierundzwanzigköpfiger Ausschuß, in
dem der Kampf um den Vorsitz entbrannte. Roßmäßler unterlag gegenüber
dem Architekten Mothes, aber die Opposition arbeitete planmäßig weiter.
Bei dem ersten Stiftungsfest Februar 1862 hielt Vahlteich die Festrede,
die ausgeprägt politisch war. Er forderte das allgemeine Stimmrecht. Bei
der Neuwahl des Ausschusses wurde auch ich in denselben gewählt. Meine
Sehnsucht, öffentlich reden zu können, war bei den häufigen Debatten im
Verein rasch befriedigt worden. Ein Freund erzählte mir später, daß, als
ich zum ersten Male einige Minuten sprach, um einen Antrag zu begründen,
man sich an meinem Tisch gegenseitig angesehen und gefragt habe: Wer ist
denn der, der so auftritt. Da im Ausschuß verschiedene Abteilungen für
die verschiedenen Verwaltungsfächer gebildet wurden, wurde ich in die
Bibliothekabteilung und die Abteilung für Vergnügungen gewählt. In
beiden wurde ich Vorsitzender. Die Wahl des Vereinsvorsitzenden, die
wieder der Ausschuß vorzunehmen hatte, rief dieses Mal einen heftigen
Kampf hervor. Viermal wurde gewählt, ohne für einen Kandidaten ein Mehr
erzielen zu können. Stets war Stimmengleichheit vorhanden. Schließlich
unterlag wieder Professor Roßmäßler gegen Architekt Mothes mit einer
Stimme, weil dieser sich selbst gewählt hatte. Die Opposition trug jetzt
den Kampf in die Generalversammlung, die am Karfreitag 1862 stattfand.
Der Verein hatte damals über fünfhundert Mitglieder. Die Opposition
stellte wieder ihre alte Forderung auf, den Verein zu einem rein
politischen zu machen und den Unterricht aus demselben auszuschließen.
Nach einem heftigen, vielstündigen Redekampfe, an dem auch ich mich
beteiligte, unterlag sie gegen eine Mehrheit von drei Viertel der
Stimmen. Hätte die Opposition geschickter operiert, hätte sie verlangt,
daß zeitweilig politische Vorträge über Zeitereignisse gehalten und
darüber Diskussionen veranstaltet werden sollten, sie hätte glänzend
gesiegt. Aber daß man den Unterricht aus dem Verein verbannen wollte,
der für die große Mehrheit der jüngeren Mitglieder das größte Interesse
hatte, reizte diese zum Widerstand. Ich selbst nahm an der Buchführung
und Stenographie teil. Einige Tage vor jener entscheidenden Versammlung
hatten sich Fritzsche und Vahlteich eifrig bemüht, mich zu ihnen
hinüberzuziehen. Ich konnte ihnen nicht folgen.

Die Opposition schied nunmehr aus und gründete den Verein Vorwärts, der
im Hotel de Saxe sein Hauptquartier aufschlug. Der Wirt in diesem Lokal
war der in den Reaktionsjahren gemaßregelte ehemalige Pfarrer Würkert.
Dieser hatte eine eigene Methode, Aufklärung zu verbreiten und dabei
auch sein Geschäft zu machen. Er veranstaltete allwöchentlich Vorträge,
die er selbst hielt, über alle möglichen Thematas, wie die Geburts- und
Todestage berühmter Männer, politische Tagesereignisse usw. An solchen
Abenden war sein Lokal gedrängt voll. Da machte es denn einen
eigenartigen Eindruck, wenn Würkert, der soeben noch unter den Gästen
sich bewegt und diesem und jenem ein Glas Bier verabreicht hatte, auf
dem Treppenpodest Platz nahm, der vom oberen in das untere Lokal führte,
und von dort allen sichtbar seinen Vortrag hielt. Nicht im Gegensatz,
sondern vielmehr in Ergänzung der Zusammenkünfte im Hotel de Saxe stand
die Restauration zur Guten Quelle auf dem Brühl, ein damals eben
gebautes großes Kellerlokal, dessen Wirt der Achtundvierziger Grun war.
In der einen Ecke jenes Lokals stand ein großer runder Tisch, der der
Verbrechertisch hieß. Das besagte, daß hier nur die ehrwürdigen Häupter
der Demokratie Platz nehmen durften, die zu Zuchthaus oder Gefängnis
verurteilt worden waren oder die man gemaßregelt hatte. Oefter traf
beides zu. Da saßen Roßmäßler, Dolge, der wegen seiner Beteiligung am
Maiaufstand zum Tode verurteilt worden war, nachher zu lebenslänglichem
Zuchthaus begnadigt wurde und dann acht Jahre in Waldheim gesessen
hatte. Zu den „Verbrechern“ gehörten weiter Dr. Albrecht, der in
unserem Verein Stenographie lehrte, Dr. Burckhardt, Dr. Peters,
Friedrich Oelkers, Dr. Fritz Hofmann, Gartenlaube-Hofmann genannt, usw.
Wir Jungen rechneten es uns zur besonderen Ehre an, wenn wir an diesem
Tisch in Gesellschaft der Alten ein Glas Bier trinken durften.

Die Leiter des Vereins Vorwärts begnügten sich aber nicht mit ihren
Vereinsversammlungen, sie trugen die Agitation in die Arbeiter- und
Volksversammlungen, die sie von Zeit zu Zeit einberiefen, in welchen
Arbeiterfragen und Tagesfragen erörtert wurden. Diese Erörterungen waren
noch sehr unklar. Man diskutierte über eine Invalidenversicherung der
Arbeiter, über die Veranstaltung einer Weltausstellung in Deutschland,
über den Eintritt in den Nationalverein, wobei man verlangte, daß dieser
den Jahresbeitrag von 3 Mark auch in Monatsraten erhebe, damit die
Arbeiter beitreten könnten. Weiter forderte man das allgemeine
Stimmrecht für die Landtagswahlen und ein deutsches Parlament, das sich
der Arbeiterfrage anzunehmen habe. Ferner wurde die Einberufung eines
allgemeinen deutschen Arbeiterkongresses diskutiert, auf dem die
aufgetauchten Forderungen debattiert werden sollten. Die Frage der
Einberufung eines Arbeiterkongresses tauchte fast gleichzeitig auch in
den Berliner und Nürnberger Arbeiterkreisen auf.

Um die Vorbereitungen hierfür zu treffen und weiter nötig werdende
Arbeiterversammlungen einzuberufen, wurde ein Komitee niedergesetzt, in
das neben Fritzsche, Vahlteich und anderen weniger bekannt gewordenen
Arbeitern auch ich gewählt wurde. Neben den Arbeiterversammlungen, die
von unserer Seite ausgingen, berief die örtliche Leitung des Deutschen
Nationalvereins öfter Volksversammlungen, manchmal mit Rednern von
auswärts, Schulze-Delitzsch, Metz-Darmstadt usw., ein, in denen die
deutsche Frage, die Gründung einer deutschen Flotte, der mittlerweile
sehr akut gewordene preußische Verfassungskonflikt, die
schleswig-holsteinsche Frage usw. erörtert wurden. Man ersieht schon aus
der Aufzählung dieser Thematas, daß das politische Leben in Leipzig in
jener Zeit ein außerordentlich reges war und uns in Atem hielt. Ein
sehr beliebtes Thema in den von den Liberalen einberufenen
Volksversammlungen waren auch die Erörterungen über die
Verfassungszustände in den Einzelstaaten, ganz besonders in Sachsen,
Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. In zweiter Linie folgten Mecklenburg
und Bayern. Die Herren v. Beust (Sachsen) und Dalwigk (Hessen-Darmstadt)
waren ganz besonders Gegenstand heftiger Angriffe. Zu diesen gesellte
sich Herr v. Bismarck, als dieser im September 1862 an die Spitze der
preußischen Regierung trat.

Es war richtig, in den erwähnten Klein- und Mittelstaaten waren nach der
Niederwerfung der Revolution Verfassungsbrüche und Oktroyierungen aller
Art vorgekommen, aber nicht minder in Preußen. Außerdem hatten diese
Klein- und Mittelstaaten ihre verbrecherische Tätigkeit nur unter dem
Schutze Preußens und Oesterreichs — die hierin ein Herz und eine Seele
waren — ausüben können. Gleichwohl behandelten die Liberalen der
verschiedenen Schattierungen in ihren öffentlichen Angriffen die Klein-
und Mittelstaaten viel schlechter als zum Beispiel Preußen. Und doch war
es Preußen gewesen, das die Revolution niedergeworfen und es neben den
Oktroyierungen im eigenen Lande an Gewalttaten gegen die Revolutionäre
nicht hatte fehlen lassen. Ich erinnere nur an die Verurteilung
Gottfried Kinkels zu lebenslänglichem Zuchthaus, an die Erschießung von
Adolf v. Trützschler in Mannheim und Max Dortü in Freiburg i.B., an die
Erschießungen in den Kasemattengräben in Rastatt, an die furchtbaren
Grausamkeiten, die das preußische Militär nach der Niederwerfung des
Maiaufstandes in Dresden an den gefangenen Revolutionären begangen
hatte. Auch waren die Zustände Preußens in den fünfziger Jahren unter
der Herrschaft des Systems Manteuffel so, daß sie jeden halbwegs
freidenkenden Mann zur Empörung aufstacheln mußten und Preußen in
Deutschland und im Ausland aufs schlimmste diskreditierten. Auch der im
Zuge befindliche Verfassungskonflikt suchte seinesgleichen in
Deutschland vergeblich. Mir, der ich damals als ein in der Politik noch
unerfahrener junger Mann gelten mußte, fiel dieses Messen mit zweierlei
Maß bald auf. Und dieses wurde namentlich von den sächsischen Liberalen
und Demokraten praktiziert. Allerdings war das System des Herrn v.
Beust, das dieser mit Zustimmung des Königs Johann in Sachsen inszeniert
hatte, wegen der volksfeindlichen Maßnahmen und Bedrückungen aller Art
und insbesondere durch die grausame Behandlung, die die politischen
Gefangenen im Zuchthaus zu Waldheim erlitten hatten, ganz besonders und
mit Recht verhaßt. Im Waldheimer Zuchthaus waren nicht weniger als 286
Maigefangene, darunter 148 Arbeiter untergebracht worden, von denen
schon bis zum Jahre 1854 34, also 12 Prozent, gestorben waren. Ueber 42
der Gefangenen war das Todesurteil ausgesprochen worden, die dann zu
lebenslänglichem Zuchthaus „begnadigt“ wurden. In der Strafanstalt
Zwickau waren 286 politische Gefangene, darunter 239 Arbeiter,
eingesperrt worden; das Landesgefängnis Hubertusburg hatte 70 politische
Gefangene beherbergt.

Im Zuchthaus zu Waldheim saß unter anderen auch August Röckel,
Musikdirektor in Dresden, ein Freund Richard Wagners und des berühmten
Baumeisters Semper, denen beiden die Flucht gelungen war. Röckel war
wegen seiner Beteiligung am Maiaufstand zu lebenslänglichem Zuchthaus
verurteilt worden. Nach seiner Begnadigung, Anfang 1862, nachdem er
11-1/2 Jahre im Zuchthaus zugebracht — er war mit dem Rechtsanwalt
Kirbach in Plauen der letzte der begnadigten Zuchthäusler, weil beide
sich weigerten, ein Gnadengesuch einzureichen —, veröffentlichte er
1865 über die Vorkommnisse im Waldheimer Zuchthaus ein Buch, betitelt:
Die Erhebung in Sachsen und das Zuchthaus zu Waldheim, dessen Inhalt in
Sachsen und Deutschland einen Schrei des Entsetzens hervorrief. Ich war
einer der eifrigsten Verbreiter von Röckels Buch, ich setzte über 300
Exemplare ab, selbstverständlich ohne persönlichen Vorteil, was nicht
hinderte, daß ich in der Koburger Arbeiterzeitung als Anhänger Beusts
verdächtigt wurde.

Unter den in Waldheim Mißhandelten war es Kirbach, den ich zwanzig Jahre
später als Kollege im sächsischen Landtag persönlich kennen lernte, wohl
mit am schlimmsten ergangen. Er war keiner von denen, die im Zuchthaus
zu Kreuze krochen; ihm ließ der Zuchthausdirektor Christ einen
sogenannten Springer zwischen den Füßen anbringen. Dieses war eine etwa
einen Fuß lange Eisenstange, die mit Fußschellen zwischen den Knöcheln
befestigt war. Wollte Kirbach gehen, so mußte er springen, daher der
Name Springer. Bei dieser Prozedur wurden Haut und Fleisch an den
Knöcheln zerrieben, und da Kirbach nicht nur furchtbare Schmerzen litt,
sondern auch gefährlich erkrankte, mußte ihm nach einiger Zeit der
Springer wieder abgenommen werden. Politisch entwickelte sich später der
ehemalige Revolutionär, wie so viele andere, zum Nationalliberalen, doch
hegte er in einem Winkel seines Herzens noch immer demokratische
Neigungen. Er war der einzige unter den Nationalliberalen, der im
sächsischen Landtag für unsere Anträge auf Einführung des allgemeinen,
gleichen und direkten Wahlrechts stimmte.

Eine ganz andere politische Entwicklung nahm Kirbachs Zuchthausgenosse
August Röckel. Als das Jahr 1866 die politische Krise über Deutschland
brachte, stellte sich Röckel auf die Seite seines früheren Feindes v.
Beust und ging, als Beust in Oesterreich Kanzler wurde, mit ihm nach
Wien, um ihm Preßdienste zu leisten.

Was aber immer für Zustände in Preußen herrschten, die Liberalen sahen
in ihm den Staat, der allein die deutsche Einheit, wie sie sich dieselbe
dachten, durchführen konnte und sie vor einer Herrschaft der Masse zu
schützen vermochte. Daher war es ihre Taktik, die Mittel- und
Kleinstaaten nach Kräften herunterzureißen, damit der Staat des
deutschen Berufs, was in ihren Augen Preußen war, in um so günstigerem
Lichte erschien. Die Aera Bismarck stand zwar dieser Mythe sehr im Wege,
aber man erklärte sie für eine vorübergehende Erscheinung, und dann
werde Preußen erst recht im liberalen Glanze erscheinen. Herr von
Bismarck war aber eine Realität ersten Ranges, und er kannte auch die
Liberalen, von denen er sagte: Mehr als sie mich hassen, fürchten sie
die Revolution, was durchaus richtig war. Indes gerieten die
Leidenschaften immer mehr in Glühhitze. Wer in den Versammlungen am
heftigsten auf Bismarck losschlug und die bedenklichsten Drohungen laut
werden ließ, der konnte auf den stürmischsten Beifall rechnen. Selbst in
manchem Liberalen erwachte die alte revolutionäre Leidenschaft, so in
Johannes Miquel, der zehn Jahre früher mit Karl Marx in Verbindung
gestanden war und selbst in den sechziger Jahren seine Beziehungen zu
ihm noch nicht ganz abgebrochen hatte, der sich als Kommunist und
Atheist bekannt und seine Hilfe zur Organisierung von Bauernaufständen
angeboten hatte. Jetzt drohte er dem König von Preußen mit dem Schicksal
der Bourbonen, man werde die Arbeiter gegen die Hohenzollern aufrufen,
wenn sie keine Vernunft annehmen wollten. Eine solche Aeußerung fiel von
ihm im privaten Kreise gelegentlich der Generalversammlung des Deutschen
Nationalvereins in Leipzig. Nahezu dreißig Jahre später war Johannes
Miquel, als Herr von Miquel, Finanzminister eines Hohenzollern und war
ihm selbst die mittlerweile sehr zahm gewordene nationalliberale Partei,
zu deren Gründern er gehörte, noch zu liberal.

Indes mochten auch an Bismarcks Ohren solche Drohungen gedrungen sein —
die blutigsten Drohungen durch anonyme Briefe sind wohl schon Mode
gewesen, ehe es sozialdemokratische Führer gab, die solche gelegentlich
dutzendweise empfangen haben —, denn er hat später öffentlich
zugestanden, daß er nicht für unmöglich gehalten, das Schicksal
Straffords zu teilen, der als Minister Karls I. von England hingerichtet
worden war. Er habe daher als sorgsamer pater familias auf alle Fälle
sein Haus bestellt.

Aber auch vom König ging in jener Zeit das Gerücht, daß er infolge der
fortgesetzten Aufregungen an Halluzinationen leide und fürchtete, daß
ihn das Schicksal der Bourbonen erreichen werde. Bestätigt wurden jene
Gerüchte durch eine spätere Veröffentlichung, die der verstorbene
preußische Landtagsabgeordnete von Eynern als persönliche Mitteilung
Bismarcks bezeichnete. Danach habe Bismarck ihm erzählt: Als er 1862 zum
Minister ernannt worden sei, wäre er dem König bis Jüterbog
entgegengefahren und habe denselben in größter Niedergeschlagenheit
angetroffen. Die badischen Herrschaften, von denen der König gekommen,
hätten den Konflikt mit dem Landtag für unlösbar gehalten und ihn zum
Einlenken zu bestimmen gesucht. Der König habe zu ihm gesagt: „Minister
sind Sie geworden, aber nur, um das Schafott zu besteigen, was auf dem
Opernplatz für Sie errichtet wird; ich selbst, der König, werde nach
Ihnen an die Reihe kommen.“ Der König hoffte zweifellos, ich würde ihm
diese Dinge ausreden, — sagte Bismarck —, ich tat aber das Gegenteil,
weil ich meinen ehrlichen und gegen jede erkennbare Gefahr mutigen Mann
kannte. Ich sagte ihm, die beiden Fälle hielte ich augenblicklich
vielleicht für nicht ganz ausgeschlossen — aber wenn sie eintreten
sollten, was sei dann Großes daran gelegen, sterben müßten wir alle
einmal, und es sei gleichgültig, ob ein bißchen früher oder später. Er
sterbe dann, wie es seine Pflicht sei, im Dienste seines Königs und
Herrn, und der König sterbe dann in Verteidigung seiner heiligen Rechte,
was auch seine Pflicht sei gegen sich selbst und gegen sein Volk. Man
brauche ja nicht gleich an Ludwig XVI. zu denken, der sei ja unangenehm
gestorben, aber Karl I. habe einen höchst anständigen Tod erlitten,
einen solchen, der ebenso ehrenvoll gewesen wie der auf dem
Schlachtfelde.

„Als ich“ — erzählte Bismarck weiter — „derart den König als Soldaten an
sein Portepee faßte, wurde er noch ernster und dann wurde er sicher, und
ich reiste mit einem vergnügten, kampfesfrohen Manne nach Berlin
hinein.“

Diese Vorgänge zeigen, was die Liberalen hätten erreichen können, wenn
sie die Lage auszunützen verstanden. Aber sie fürchteten bereits die
hinter ihnen stehenden Arbeiter. Bismarcks Wort: wenn man ihn zum
Aeußersten dränge, werde er den Acheron in Bewegung setzen, jagte ihnen
einen heillosen Schrecken ein.

In der Tat hat denn auch Bismarck alle Register gezogen, um Herr der
Situation zu werden; seine Werkzeuge nahm er, wo er sie fand. Er hätte
sich mit dem Teufel und seiner Großmutter verbunden, fand er einen
Vorteil dabei. So zog er August Braß, den Chefredakteur der damals
großdeutschen „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“, in seine Dienste,
obgleich dieser früher roter Demokrat gewesen war und das hübsche Lied
gedichtet hatte:

Wir färben rot, wir färben gut,
Wir färben mit Tyrannenblut!

Er hatte auch nichts dagegen einzuwenden, daß Braß Liebknecht von London
und Robert Schweichel von Lausanne als Redakteure an die „Norddeutsche
Allgemeine Zeitung“ berief. Weiter gelang es Bismarck, neben Braß im
Jahre 1864 Lothar Bucher, den alten Demokraten und Steuerverweigerer, zu
gewinnen, dessen großes historisches Wissen und gewandte Feder er sich
dienstbar machte. Bucher war es auch, der im Auftrag Bismarcks 1865 den
Versuch machte, Karl Marx als Mitarbeiter für den preußischen
Staatsanzeiger zu gewinnen, wobei er die Freiheit haben sollte, ganz
nach Belieben zu schreiben, propagiere er selbst den Kommunismus.

Die Methoden, nach denen Bismarck jetzt zu regieren versuchte, hatte er
Louis Napoleon abgeguckt, der es meisterhaft verstanden hatte, die
bestehenden Klassengegensätze für sein System auszunutzen, und zwar
sogar unter der Herrschaft des allgemeinen Stimmrechts. Es zeigte sich
bald, daß auch Bismarck versuchte, die Arbeiterbewegung in seinem
Interesse gegen die liberale Bourgeoisie auszunutzen. Sein Helfer in
diesen Dingen war der Geheime Oberregierungsrat Hermann Wagener, dessen
Kenntnis der sozialen Fragen und seine Schlauheit ihn als den geeigneten
Mann erscheinen ließen.

Ende August 1862 hatte eine Arbeiterversammlung in Berlin ebenfalls
beschlossen, einen allgemeinen deutschen Arbeiterkongreß, und zwar nach
Berlin einzuberufen. Das veranlaßte das Leipziger Komitee, sich mit den
leitenden Persönlichkeiten der Berliner Bewegung in Verbindung zu
setzen, um eine Vereinbarung wegen der Einberufung des Kongresses zu
erzielen. Man wünschte der besseren geographischen Lage wegen Leipzig
als Kongreßort. Anfangs Oktober kam als Berliner Vertreter der Maler und
Lackierer Eichler nach Leipzig zu einer Besprechung, der auch ich als
Mitglied des Komitees beiwohnte.

Diese Besprechung fand in der Restauration Zum Joachimstal in der
Hainstraße statt. Eichler ging gleich aufs Ganze. Er führte aus, daß die
Arbeiter von der Fortschrittspartei und dem Nationalverein nichts zu
erwarten hätten. Die Mehrzahl der Komiteemitglieder teilte auf Grund der
gemachten Erfahrungen diese Ansicht. Weiter fuhr Eichler fort: er habe
die Gewißheit — und damit entpuppte er sich nach unserer Ansicht als
Agent Bismarcks —, daß Bismarck für die Einführung des allgemeinen,
gleichen und direkten Wahlrechts zu haben sei und auch bereit wäre, die
nötigen Mittel (60000 bis 80000 Taler) zur Gründung einer
Produktivgenossenschaft der Maschinenbauer herzugeben.

Zu jener Zeit bildeten die Maschinenbauer die Elite der
Berliner Arbeiter und galten als die eigentliche Leibgarde der
Fortschrittspartei. Die Ausführungen Eichlers riefen eine stundenlange
Debatte hervor, deren Endergebnis war, daß das Komitee, mit Ausnahme
Fritzsches, sich gegen Eichler erklärte. Es fällt auf, daß Eichler Ideen
propagierte, wie sie sechs Monate später Lassalle in seinem
Antwortschreiben an das Leipziger Komitee entwickelte, nur daß Lassalle
einen demokratischen Staat als Begründer der Produktivassoziationen mit
Staatshilfe forderte.

In jenen Tagen war der Name Lassalles uns unbekannt, obgleich er schon
im April jenes Jahres öffentlich einen Vortrag „Ueber den besonderen
Zusammenhang der gegenwärtigen Geschichtsperiode mit der Idee des
Arbeiterstandes“ gehalten hatte, der später und bis auf den heutigen Tag
unter dem Titel „Arbeiterprogramm“ erschienen ist. Auch hatte er in
demselben Jahre seine Vorträge über Verfassungswesen gehalten. Daß diese
Vorgänge uns unbekannt blieben, lag wohl daran, daß keiner von uns
Berliner Zeitungen las. Wir bezogen unsere Kenntnisse über die
Tagesereignisse aus der Leipziger Presse, namentlich der demokratischen
„Mitteldeutschen Volkszeitung“, und was diese nicht brachte, blieb uns
fremd. Es waren eben noch rückständige Zeiten.

Eichler hatte, als er mitteilte, Bismarck sei eventuell für die
Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts zu haben,
nur einem Gedanken Ausdruck gegeben, der damals schon namentlich von dem
Geheimen Oberregierungsrat Hermann Wagener öffentlich propagiert wurde.
Man dachte dabei an eine Oktroyierung desselben, von der Auffassung
ausgehend: ist das Dreiklassenwahlrecht im Mai 1849 oktroyiert worden,
so kann es auch durch eine königliche Verordnung wieder beseitigt und
ein neues Wahlrecht oktroyiert werden. Den Liberalen, die in ihrer sehr
großen Mehrzahl nicht für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime
Wahlrecht schwärmten, war diese Aussicht höchst fatal, und Herr v.
Unruh, einer ihrer Hauptführer, gab ihrer Besorgnis auch öffentlich
Ausdruck. Ihre Abneigung gegen das allgemeine, gleiche, direkte und
geheime Wahlrecht versteckten die Liberalen damals hinter der Erklärung,
diese Forderung sei während des Verfassungskampfes nicht opportun, erst
müsse der Kampf mit dem Ministerium Bismarck zu Ende sein, ehe man an
eine Aenderung des Wahlrechts denken könne. Daß zu jener Zeit die
konservativen Demagogen sich für Einführung des demokratischsten aller
Wahlrechte ins Zeug legten, wohingegen sie heute die entschiedensten
Gegner desselben sind, hatte seinen zulänglichen Grund. Napoleon III.,
der nach dem Staatsstreich das allgemeine, gleiche, direkte und geheime
Wahlrecht in Frankreich wieder einführte, das die honette Republik nach
der Junischlacht durch ein schlechteres Wahlrecht ersetzt hatte, war mit
demselben ausgezeichnet gefahren. Natürlich unter obligater Einwirkung
durch die Staatsgewalten auf die Wähler. Es gab anfangs unter
sechshundert Delegierten nur sieben Oppositionsmänner, alle übrigen
waren kaiserliche Mamelucken. Erst 1863 stieg die Opposition auf 38 und
1869 auf 110 Köpfe.

Umgekehrt hatte in Preußen das Dreiklassenwahlrecht, das man geschaffen
hatte, um eine gefügige Kammer zu besitzen, jetzt eine scharf
oppositionelle geliefert, so kam man auf den Gedanken, das Napoleonische
Beispiel nachzuahmen.

Eine andere Frage ist: Wie kam die Idee der Produktivgenossenschaften
mit Staatshilfe in die Kreise der Konservativen? Und da scheint es, daß
Lassalle schon im Jahre 1862 diesen Gedanken in seinem Kopfe bearbeitete
und seinen Gedanken seiner Freundin und Vertrauten, der Gräfin
Hatzfeldt mitteilte, von der dann die Idee in die konservativen Kreise
getragen wurde, noch ehe Lassalle sie öffentlich formuliert hatte.
Später, als Vahlteich Sekretär Lassalles geworden war, entdeckte dieser,
welch zweideutige Elemente Lassalle um sich hatte. Dasselbe nahm
Liebknecht wahr, der Lassalle vor seiner Umgebung und speziell vor
Bismarck warnte, worauf Lassalle antwortete: Pah, ich esse mit Herrn von
Bismarck Kirschen, aber er bekommt die Steine. Es ist höchst
wahrscheinlich, daß der Geheimrat Wagener Eichler den Plan mit den
Produktivgenossenschaften als Plan Bismarcks suggerierte, noch ehe
Bismarck selbst sich damit beschäftigt hatte.[1] Klarheit über die Rolle
Eichlers und die Beziehungen Bismarcks zu Lassalle erfolgte im September
1878 bei Beratung des Sozialistengesetzes, als ich auf jene Vorgänge zu
sprechen kam. Ich klagte damals Fürst Bismarck an, daß er jetzt die
Sozialdemokratie zu vernichten trachte, die er einstmals für seine
politischen Zwecke zu benutzen versucht habe. Ich wies zunächst auf den
Fall Eichler hin und die Angebote, die dieser in seinem Namen uns im
Leipziger Komitee gemacht habe; ich führte weiter an, daß durch
Vermittlung eines Hohenzollernprinzen (vermutlich Prinz Albrecht, Bruder
des Königs) und der Gräfin Hatzfeldt Lassalle mit ihm (Bismarck) in
Verbindung gekommen sei, daß seine Unterhaltungen mit Lassalle öfter
stundenlang gedauert und eines Tages sogar der bayerische Gesandte
abgewiesen worden wäre, der Bismarck sprechen wollte, als Lassalle bei
ihm war.

Fürst Bismarck nahm darauf am folgenden Tage, den 17. September, im
Reichstag das Wort. Ich hatte irrtümlich gesagt, daß die Verhandlungen
zwischen Eichler und dem Leipziger Komitee schon im September, statt
erst im Oktober stattgefunden hätten. Daran knüpfte Bismarck an, um
nachzuweisen, daß er solche Aufträge nicht könne gegeben haben, da er
erst am 23. September ins Ministerium eingetreten sei. Wohl sei ihm
erinnerlich, _daß Eichler späterhin Forderungen an ihn gestellt für
Dienste, die er ihm nicht geleistet habe. Im weiteren gab er zu, daß
Eichler im Dienste der Polizei gestanden_ und Berichte geliefert habe,
von denen einige zu seiner Kenntnis gekommen seien. Diese hätten sich
aber nicht auf die sozialdemokratische Partei bezogen, sondern auf
intime Verhandlungen der Fortschrittspartei und, wenn er nicht irre, des
Nationalvereins.

Damit war erwiesen, wie begründet unser Verdacht im Komitee gegen
Eichler gewesen war. Im übrigen bestritt Fürst Bismarck, daß er 60000
bis 80000 Taler für eine Produktivgenossenschaft habe hergeben wollen.
Er habe keine geheimen Fonds gehabt, und wo hätte er das Geld hernehmen
sollen? Das sagte derselbe Mann, der im April 1863 in der Kammer
geäußert hatte: die Regierung werde, wenn es ihr nötig erscheine, mit
oder ohne Bewilligung der Volksvertretung Krieg führen und das Geld dazu
nehmen, wo sie es finde — und jahrelang die Staatsausgaben ohne
Zustimmung der Kammer machte. Auf die ihm von mir vorgehaltenen
Beziehungen zu Lassalle äußerte er: Nicht er, sondern Lassalle habe den
Wunsch gehabt, mit ihm zu sprechen, und er habe ihm die Erfüllung dieses
Wunsches nicht schwer gemacht. Er habe das auch nicht bereut.
Verhandlungen hätten zwischen ihnen nicht stattgehabt, was hätte
Lassalle als armer Teufel ihm auch bieten können? Lassalle habe ihn aber
außerordentlich angezogen, er sei einer der geistreichsten und
liebenswürdigsten Menschen gewesen, mit denen er je verkehrt habe, er
sei auch kein Republikaner gewesen: die Idee, der er zustrebte, sei das
deutsche Kaisertum gewesen. Darin hätten sie Berührungspunkte gehabt.
Lassalle sei in hohem Grade ehrgeizig gewesen, und ob das deutsche
Kaisertum mit der Dynastie Hohenzollern oder mit der Dynastie Lassalle
abschließen solle, das sei ihm vielleicht zweifelhaft gewesen, aber
monarchisch sei er durch und durch gewesen. Dieser Erklärung folgte im
Reichstag große Heiterkeit.

Die burschikose Art, wie Bismarck Lassalle zum Monarchisten stempelte,
bedarf keiner Widerlegung, sie wird auch durch Lassalles Schriften und
Briefe widerlegt. Immerhin war die Rolle Lassalles Bismarck gegenüber
eine höchst eigenartige. Gestützt auf sein sehr hohes Selbstgefühl und
seine unabhängige soziale Stellung glaubte er, mit Bismarck wie von
Macht zu Macht verhandeln zu können, noch ehe er eine Macht hinter sich
hatte. Wie das Spiel schließlich ausgegangen wäre, darüber braucht man
sich den Kopf nicht zu zerbrechen, da der Tod Lassalles, Ende August
1864, ihn als Partner beseitigte.

Bismarck bestritt ferner in jener Rede, daß zwischen ihm und Lassalle
der Gedanke einer Oktroyierung des allgemeinen, gleichen, direkten und
geheimen Wahlrechts erörtert worden sei. Ich konnte ihm das Gegenteil
nicht beweisen, glaubte aber den Worten Bismarcks nicht. Hier ist mir
Lassalle maßgebend, der in seiner Verteidigungsrede vor dem
Staatsgerichtshof in Berlin, 12. März 1864, öffentlich sagte: „Und so
verkünde ich Ihnen denn an diesem feierlichen Orte, es wird vielleicht
kein Jahr mehr vergehen — und Herr v. Bismarck hat die Rolle Robert
Peels gespielt und das allgemeine und direkte Wahlrecht ist oktroyiert.“
    
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