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Aus meinem Leben, Erster Teil
Author Language Character Set
August Bebel German UTF-8


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Uebungen vornahm. Mit der wiederkehrenden Reaktion verschwand sie.
*       *       *       *       *

Das Jahr 1853 machte meinen Bruder und mich zu Waisen. Anfang Juni
starb meine Mutter. Sie sah ihrem Tode mit Heroismus entgegen. Als sie
am Nachmittag ihres Todestags ihr letztes Stündlein herannahen fühlte,
beauftragte sie uns, ihre Schwestern zu rufen. Einen Grund dafür gab sie
nicht an. Als die Schwestern kamen, wurden wir aus der Stube geschickt.
In trübseliger Stimmung saßen wir stundenlang auf der Treppe und
warteten, was kommen werde. Endlich gegen sieben Uhr traten die
Schwestern aus der Stube und teilten uns mit, daß soeben unsere Mutter
gestorben sei. Noch an demselben Abend mußten wir unsere Habseligkeiten
packen und den Tanten folgen, ohne daß wir die tote Mutter noch zu sehen
bekamen. Die Aermste hatte wenig gute Tage in ihrem Ehe- und Witwenleben
gesehen. Und doch war sie immer heiter und guten Mutes. Ihr starben
binnen drei Jahren zwei Ehemänner, außerdem zwei Kinder, außer meinem
jüngsten Bruder eine Schwester, die vor mir geboren worden war, die ich
aber nicht gekannt habe. Mit uns zwei Brüdern hatte sie wiederholt
schwere Krankheitsfälle durchzumachen. Ich erkrankte 1848 am
Nervenfieber und schwebte mehrere Wochen zwischen Leben und Tod. Einige
Jahre danach erkrankte ich an der sogenannten freiwilligen Hinke, kam
aber mit graden Gliedern davon. Mein Bruder stürzte, neun Jahre alt,
beim Spiel in einer Scheune von der obersten Leiterstufe auf die Tenne
herab und trug eine schwere Kopfwunde und eine Gehirnerschütterung
davon. Auch er entging nur mit genauer Not dem Tode. Meine Mutter selbst
litt mindestens sieben Jahre an der Schwindsucht. Mehr Trübsal und Sorge
konnten einer Mutter kaum beschieden sein.

Ich kam jetzt zu einer Tante, die eine Wassermühle in Wetzlar in
Erbpacht hatte, mein Bruder kam zu einer anderen Tante, deren Mann
Bäcker war. Ich mußte jetzt fleißig in der Mühle zugreifen. Besonderes
Vergnügen machte es mir, mit den beiden Eseln, die wir besaßen, Mehl
aufs Land zu den Bauern zu transportieren und Getreide von ihnen in
Empfang zu nehmen. Am liebsten aber war mir, wenn ich nur wenig Getreide
zum Rücktransport erhielt, dann konnte ich auf einem der Esel nach der
Stadt reiten. Das ließ sich auch unser Schwarzer, der ein geduldiges
Tier war, gefallen, aber unser Grauer, der jung und feurig war, dachte
anders. Er besaß offenbar so etwas wie Standesbewußtsein, denn außer der
gewohnten Last litt er keine fremde auf seinem Rücken. Als ich aber doch
eines Tages auf seinem Rücken Platz genommen hatte, setzte er sich
sofort in Trab, steckte den Kopf zwischen die Vorderbeine und schlug mit
den Hinterbeinen nach Kräften aus. Ehe ich mich's versah, flog ich in
einem eleganten Bogen in den Straßengraben. Glücklicherweise ohne mich
zu verletzen. Er hatte seinen Zweck erreicht, ich ließ ihn fortan in
Ruhe.

Außer den beiden Eseln besaß meine Tante ein Pferd, mehrere Kühe, eine
Anzahl Schweine und mehrere Dutzend Hühner. Und da sie auch
Landwirtschaft betrieb, fehlte es nicht an Arbeit, obgleich neben ihrem
Sohn ein Müllerknecht — wie damals die Gesellen genannt wurden — und
eine Magd beschäftigt wurden. Hatte der Knecht keine Zeit, so mußte ich
Pferd und Esel putzen und manchmal auch das Pferd in die Schwemme
reiten. Die Sorge für den Hühnerhof war mir ganz überlassen. Ich mußte
die Fütterung der Hühner besorgen, die Eier aus den Nestern nehmen oder
wohin sonst diese gelegt worden waren und den Stall reinigen. Mit diesen
Beschäftigungen kam Ostern 1854 heran. Es folgte meine Entlassung aus
der Schule, ein Ereignis, dem ich keineswegs freudig entgegensah. Am
liebsten wäre ich in der Schule geblieben.




Die Lehr- und Wanderjahre.


Was willst du denn werden? war die Frage, die jetzt mein Vormund, ein
Onkel von mir, an mich stellte. „Ich möchte das Bergfach studieren!“
„Hast du denn zum Studieren Geld?“ Mit dieser Frage war meine Illusion
zu Ende.

Daß ich das Bergfach studieren wollte, war dadurch veranlaßt, daß,
nachdem im Anfang der fünfziger Jahre die Lahn bis Wetzlar schiffbar
gemacht worden war, in der Wetzlarer Gegend der Eisenerzabbau einen
großen Aufschwung genommen hatte. Bis dahin hatten Haufen Eisenerze fast
wertlos vor den Stollen gelegen, weil die hohen Transportkosten die
Ausnutzung der Erze wenig rentabel machten. Da aus dem Bergstudium
nichts werden konnte, entschloß ich mich, Drechsler zu werden. Das
Angebot eines Klempnermeisters, bei ihm in die Lehre zu treten, lehnte
ich ab, der Mann war mir unsympathisch, auch stand er im Rufe eines
Trinkers. Drechsler wurde ich aus dem einfachen Grunde, weil ich
annehmen durfte, daß der Mann einer Freundin meiner Mutter, der
Drechslermeister war, und der in der Stadt den Ruf eines tüchtigen
Mannes genoß, bereit sein werde, mich in die Lehre zu nehmen. Dies
geschah auch. Die Begründung, mit der er meine Anfrage bejahte, war
wunderlich genug. Er äußerte, seine Frau habe ihm erzählt, ich hätte
mein religiöses Examen bei der Konfirmation in der Kirche sehr gut
bestanden, er nehme also an, ich sei auch sonst ein brauchbarer Kerl.
Nun war ich sicher kein dummer Kerl, aber ich müßte die Unwahrheit
sagen, wollte ich behaupten, ich sei in der Drechslerei ein Künstler
geworden. Es gab solche, und mein Meister gehörte zu ihnen, aber ich
habe es trotz aller Mühe nicht über die Mittelmäßigkeit gebracht, was
nicht verhinderte, daß ich drei Jahre später, am Ende meiner Lehrzeit,
für mein Gesellenstück die erste Zensur bekam.

Meine physische Leistungsfähigkeit wurde durch meine körperliche
Schwäche beeinträchtigt. Ich war ein ungemein schwächlicher Junge, wozu
wohl auch mangelhafte Ernährung beitrug. So bestand unser Abendessen
viele Jahre täglich nur in einem mäßig großen Stück Brot, das mit Butter
oder Obstmus dünn bestrichen war. Beschwerten wir uns, und wir klagten
täglich, daß wir noch Hunger hätten, so gab die Mutter regelmäßig zur
Antwort: Man muß manchmal den Sack zumachen, auch wenn er noch nicht
voll ist. Der Knüppel lag eben beim Hunde. Unter sotanen Umständen war
es erklärlich, daß wir uns heimlich ein Stück Brot abschnitten, wenn wir
konnten. Aber das entdeckte meine Mutter sofort und die Strafe blieb
nicht aus. Eines Tages hatte ich wieder dieses Verbrechen begangen.
Trotz aller Mühe, die ich mir gegeben hatte, den glatten Schnitt der
Mutter nachzuahmen, wurde am Abend die Tat von ihr entdeckt. Ihr
Verdacht fiel, ich weiß nicht warum, auf meinen Bruder, der sofort mit
der breiten Seite eines langen Bureaulineals, das aus der Väter Nachlaß
stammte, ein paar Schläge erhielt. Mein Bruder protestierte, er sei
nicht der Täter gewesen. Das sah aber meine Mutter als Lüge an, und so
bekam er eine zweite Portion. Jetzt wollte ich mich als Täter melden,
aber da fiel mir ein, daß das töricht wäre; mein Bruder hatte die
Schläge weg, und ich hätte wahrscheinlich noch mehr als er bekommen.
Damit tröstete ich auch meinen Bruder, als dieser nachher mir Vorwürfe
machte, daß ich mich nicht als Täter gemeldet hatte. Es ist begreiflich,
wenn jahrelang mein Ideal war, mich einmal an Butterbrot tüchtig satt
essen zu können.

Meister und Meisterin waren sehr ordentliche und angesehene Leute. Ich
hatte ganze Verpflegung im Hause, das Essen war auch gut, nur nicht
allzu reichlich. Meine Lehre war eine strenge und die Arbeit lang.
Morgens 5 Uhr begann dieselbe und währte bis abends 7 Uhr ohne eine
Pause. Aus der Drehbank ging es zum Essen und vom Essen in die Bank.
Sobald ich morgens aufgestanden war, mußte ich der Meisterin viermal je
zwei Eimer Wasser von dem fünf Minuten entfernten Brunnen holen, eine
Arbeit, für die ich wöchentlich 4 Kreuzer gleich 14 Pfennig bekam. Das
war das Taschengeld, das ich während der Lehrzeit besaß. Ausgehen durfte
ich selten in der Woche, abends fast gar nicht und nicht ohne besondere
Erlaubnis. Ebenso wurde es am Sonntag gehalten, an dem unser
Hauptverkaufstag war, weil dann die Landleute zur Stadt kamen und ihre
Einkäufe an Tabakpfeifen usw. machten und Reparaturen vornehmen ließen.
Gegen Abend oder am Abend durfte ich dann zwei oder drei Stunden
ausgehen. Ich war in dieser Beziehung wohl der am strengsten gehaltene
Lehrling in ganz Wetzlar, und oftmals weinte ich vor Zorn, wenn ich an
schönen Sonntagen sah, wie die Freunde und Kameraden spazieren gingen,
während ich im Laden stehen und auf Kundschaft warten und den Bauern
ihre schmutzigen Pfeifen säubern mußte. Nur am Sonntag vormittag,
nachdem ich die Sonntagsschule nicht mehr besuchte, wurde mir gestattet,
zur Kirche zu gehen. Dafür schwärmte ich aber nicht. Ich benützte also
die Gelegenheit, die Kirche zu schwänzen. Um aber sicher zu gehen und
nicht überrumpelt zu werden, erkundigte ich mich stets erst, welches
Lied gesungen werde und welcher Pfarrer predige. Eines Sonntags aber
ereilte mich mein Geschick. Beim Abendessen frug der Meister, ob ich in
der Kirche gewesen sei? Dreist antwortete ich: Ja! Er frug weiter: was
für ein Lied gesungen worden sei? Ich gab die Nummer an, entdeckte aber
zu meinem Schrecken, daß die beiden Töchter, die mit am Tische saßen,
kaum das Lachen verbeißen konnten. Als ich nun auf die dritte Frage: wer
von den Pfarrern predigte denn? auch eine falsche Antwort gab, schlugen
diese eine laute Lache auf. Ich war hereingefallen. Ich war zu früh an
die Kirchtüre gegangen, noch ehe der Küster die neue Liedernummer
aufgesteckt hatte, und in bezug auf den Namen des Pfarrers war ich
falsch berichtet worden. Der Meister meinte trocken: es scheine, daß ich
mir aus dem Kirchenbesuch nichts machte, ich möchte also künftig zu
Hause bleiben. So war ein schönes Stück Freiheit verloren. Ich warf mich
nun mit um so größerem Eifer auf das Lesen von Büchern, die ich ohne
Wahl las, natürlich meistenteils Romane. Ich hatte schon in der Schule
meine Vorzugsstellung gegen Kameraden, denen ich beim Lösen der
Aufgaben half oder ihnen das Abschreiben derselben erlaubte, dazu
benutzt, sie zu veranlassen, mir zur Belohnung Bücher, die sie hatten,
zu leihen. Dadurch kam ich zum Beispiel zum Lesen von Robinson Crusoe
und Onkel Toms Hütte. Jetzt verwandte ich meine paar Pfennige, um Bücher
aus der Leihbibliothek zu holen. Einer meiner Lieblingsschriftsteller
war Hackländer, dessen Soldatenleben im Frieden dazu beitrug, meine
Begeisterung für das Militärwesen etwas zu dämpfen. Weiter las ich
Walter Scott, die historischen Romane von Ferdinand Stolle, Luise
Mühlbach usw. Aus der Väter Nachlaß hatten wir einige Geschichtsbücher
gerettet. So ein Buch, das einen ganz vortrefflichen Abriß über die
Geschichte Griechenlands und Roms enthielt. Den Verfasser habe ich
vergessen. Ferner einige Bücher über preußische Geschichte, natürlich
offiziell geeicht, deren Inhalt ich so im Kopfe hatte, daß ich alle
Daten in bezug auf brandenburgisch-preußische Fürsten, berühmte
Generale, Schlachttage usw. am Schnürchen hersagen konnte. Schmerzlich
wartete ich auf das Ende der Lehrzeit, ich hatte Sehnsucht, die ganze
Welt zu durchstürmen. Aber so schnell, wie ich wünschte, ging es nicht.
An demselben Tage, an dem meine Lehrzeit beendet war, starb mein
Meister, und zwar ebenfalls an der Schwindsucht, die damals in Wetzlar
förmlich grassierte. So kam ich in die seltsame Lage, an demselben Tage,
an dem ich Geselle geworden war, auch Geschäftsführer zu werden. Ein
anderer Geselle war nicht vorhanden, ein Sohn, der das Geschäft hätte
fortführen können, fehlte; so entschloß sich die Meisterin, allmählich
auszuverkaufen und das Geschäft aufzugeben. Für die Meisterin, die eine
auffallend hübsche und für ihr Alter ungewöhnlich rüstige Frau war, die
mich stets gut behandelte, wäre ich durchs Feuer gegangen. Ich zeigte
ihr jetzt meine Hingabe dadurch, daß ich über meine Kräfte arbeitete.
Von Mai bis in den August stand ich mit der Sonne auf und arbeitete bis
abends 9 Uhr und später. Ende Januar 1858 war das Geschäft liquidiert,
und ich rüstete mich zur Wanderschaft. Als ich mich von der Meisterin
verabschiedete, gab sie mir außer dem fälligen Lohn noch einen Taler
Reisegeld. Am 1. Februar trat ich die Reise zu Fuß bei heftigem
Schneetreiben an. Mein Bruder, der das Tischlerhandwerk erlernte,
begleitete mich ungefähr eine Stunde Weges. Als wir uns verabschiedeten,
brach er in heftiges Weinen aus, eine Gefühlsregung, die ich nie an ihm
beobachtet hatte. Ich sollte ihn zum letzten Male gesehen haben. Im
Sommer 1859 erhielt ich die Nachricht, daß er binnen drei Tagen einem
heftigen Gelenkrheumatismus erlegen sei. So war ich der Letzte von der
Familie.

Mein nächstes Ziel war Frankfurt a.M. Von Langgöns aus benutzte ich die
Bahn und kam so noch an demselben Tage den Abend in Frankfurt an, wo ich
in der Herberge zum Prinz Karl einkehrte. Arbeit wollte ich noch nicht
nehmen, so fuhr ich zwei Tage später mit der Bahn nach Heidelberg. Der
Zug, auf dem ich fuhr, hatte statt Glasfenster Vorhänge aus Barchent,
die zugezogen werden konnten. Damals bestand noch der Paßzwang, das
heißt es bestand für die Handwerksburschen die Verpflichtung, ein
Wanderbuch zu führen, in das die Strecken, die sie durchwandern wollten,
polizeilich eingetragen — visiert — wurden. Wer kein Visum hatte, wurde
bestraft. In vielen Städten, darunter auch in Heidelberg, bestand weiter
zu jener Zeit die Vorschrift, daß die Handwerksburschen morgens zwischen
8 und 9 Uhr auf das Polizeiamt kommen mußten, um sich ärztlich,
namentlich auf ansteckende Hautkrankheiten, untersuchen zu lassen. Wer
die Stunde für diese Visitation übersah, mußte mit der Abreise bis zum
nächsten Tage warten, er bekam kein Visum. So erging es mir, weil ich
die Vorschrift nicht kannte und auf das Polizeiamt zu spät kam. Von
Heidelberg wanderte ich zu Fuß nach Mannheim und von dort nach Speier,
woselbst ich Arbeit fand. Die Behandlung war gut und das Essen ebenfalls
und reichlich, schlafen mußte ich dagegen in der Werkstatt, in der in
einer Ecke ein Bett aufgeschlagen war. Das geschah mir später auch in
Freiburg i.B. In jener Zeit bestand im Handwerk noch allgemein die
Sitte, daß die Gesellen beim Meister in Kost und Wohnung waren, und
diese letztere war häufig erbärmlich. Der Lohn war auch niedrig, er
betrug in Speier pro Woche 1 Gulden 6 Kreuzer, etwa 2 Mark. Als ich mich
darüber beklagte, meinte der Meister: er habe in seiner ersten
Arbeitsstelle in der Fremde auch nicht mehr erhalten. Das mochte
fünfzehn Jahre früher gewesen sein. Sobald das Frühjahr kam, litt es
mich nicht mehr in der Werkstätte. Anfang April ging ich wieder auf die
Walze, wie der Kunstausdruck für das Wandern lautet. Ich marschierte
durch die Pfalz über Landau nach Germersheim und über den Rhein zurück
nach Karlsruhe und landaufwärts über Baden-Baden, Offenburg, Lahr nach
Freiburg i.B., woselbst ich wieder Arbeit nahm. In jenem Frühjahr war
die Nachfrage nach Schneidergehilfen ungemein stark; und da ich sehr
flott marschierte und im Aeußern der Vorstellung, die man sich von einem
Schneidergesellen machte, durchaus entsprach, wurde ich auf dieser Reise
öfter schon vor den Toren der Städte von Schneidermeistern angesprochen,
die in mir ein Objekt für ihre Ausbeutung zu sehen glaubten. Mehrere
wollten nicht glauben, daß ich kein Schneider sei, andere wieder
entschuldigten sich, daß sie mich für einen solchen gehalten, „weil ich
ganz wie ein Schneider aussähe“.

In Freiburg i.B. verlebte ich einen sehr angenehmen Sommer. Freiburg ist
nach seiner Lage eine der schönsten Städte Deutschlands; seine Wälder
sind bezaubernd, der Schloßberg ist ein herrliches Stückchen Erde, und
zu Ausflügen in die Umgegend locken Dutzende prächtig gelegener Orte.
Aber was mir fehlte, war entsprechender Anschluß an gleichgesinnte junge
Leute. Ein Zusammenhang mit Fachgenossen bestand zu jener Zeit nicht.
Die Zunft war aufgehoben, und neue Gewerksorganisationen gab es noch
nicht. Politische Vereine, denen man als Arbeiter hätte beitreten
können, existierten ebenfalls nicht. Noch herrschte überall in
Deutschland die Reaktion. Für reine Vergnügungsvereine hatte ich aber
keinen Sinn und auch kein Geld. Da hörte ich von der Existenz des
katholischen Gesellenvereins, der am Karlsplatz sein eigenes Vereinshaus
hatte. Nachdem ich mich vergewissert, daß auch Andersgläubige Aufnahme
fänden, trat ich, obgleich ich damals Protestant war, demselben bei.

Ich habe nachmals, solange ich in Süddeutschland und Oesterreich
zubrachte, in Freiburg und Salzburg dem katholischen Gesellenverein als
Mitglied angehört und habe es nicht bereut. Der Kulturkampf bestand zum
Glück zu jener Zeit noch nicht. In diesen Vereinen herrschte daher auch
damals gegen Andersgläubige volle Toleranz. Der Präses des Vereins war
stets ein Pfarrer. Der Präses des Freiburger Vereins war der später im
Kulturkampf sehr bekannt gewordene Professor Alban Stolz. Die
Mitgliedschaft wurde durch den von den Mitgliedern gewählten Altgesellen
repräsentiert, der nach dem Präses die wichtigste Person war. Es wurden
zeitweilig Vorträge gehalten und Unterricht in verschiedenen Fächern
erteilt, so zum Beispiel im Französischen. Die Vereine waren also eine
Art Bildungsvereine; wie diese Gesellenvereine später sich gestaltet
haben, darüber vermag ich nichts zu sagen. In dem Vereinszimmer fand man
eine Anzahl allerdings nur katholischer Zeitungen, aus denen man aber
doch erfahren konnte, was in der Welt vorging. Das war für mich, der
schon am Ende der Schuljahre und nachher in den Lehrjahren, als der
Krimkrieg entbrannt war, sich lebhaft um Politik bekümmerte, eine
Hauptsache.

Auch das Bedürfnis nach Umgang mit gleichaltrigen und strebsamen jungen
Leuten fand hier seine Befriedigung. Ein eigenartiges Element im Verein
waren die Kapläne, die, jung und lebenslustig, froh waren, daß sie
gleichaltrigen Elementen sich anschließen konnten. Ich habe einige Male
mit solchen jungen Kaplänen die vergnügtesten Abende verlebt. Einen
solchen Abend verlebte ich unter anderen in München, indem ich das
Gesellenvereinshaus auf der Rückreise von Salzburg besuchte und darin
wohnte, und zwar Anfang März 1860. Verließ das Gesellenvereinsmitglied
den Ort, so bekam er ein Wanderbuch mit, das ihn in den Gesellenvereinen
und bei den Pfarrherren, falls er bei diesen um Unterstützung
vorsprechen wollte, legitimierte. Ich bin noch heute Besitzer eines
solchen Buches, in dem auf der ersten Seite der heilige Josef mit dem
Christkindlein auf dem Arme abgebildet ist. Der heilige Josef ist der
Schutzpatron der Gesellenvereine. Den Gründer derselben, Pfarrer
Kolping, damals in Köln, der, irre ich nicht, selbst in seiner Jugend
Schuhmachergeselle war, lernte ich in Freiburg im Breisgau kennen,
woselbst er eines Tages einen Vortrag hielt.

Im September drängte es mich, weiterzuwandern. Ich verließ Freiburg und
marschierte bei herrlichstem Wetter durch das Höllental über den
Schwarzwald nach Neustadt, Donaueschingen und Schaffhausen. Ein
wunderbarer Anblick war es in jenen Tagen, schon am Nachmittag am
Firmament einen gewaltigen Kometen — den Donatischen — zu beobachten,
der in seltenem Glanze strahlte und einen Schweif von ungewöhnlicher
Länge besaß. Zu jener Zeit stand der Schwarzwald noch in seiner ganzen
Pracht und Herrlichkeit. Jahrzehnte später haben die Axt und die Säge
große Strecken des prächtigsten Waldes gefällt und gelichtet. Die
moderne Entwicklung forderte es. In der Schweiz durfte ich nicht
bleiben. Der Aufenthalt in der Schweiz war damals den preußischen
Handwerksburschen von ihrer Regierung verboten. War doch der Neuenburger
Streit das Jahr zuvor erst zuungunsten der preußischen Regierung beendet
worden. Außerdem hätten die Handwerksburschen republikanische Ideen in
sich aufnehmen können, und das mußte im Interesse der staatlichen
Ordnung verhütet werden. Als ich im Frühjahr 1858 auf der preußischen
Gesandtschaft in Karlsruhe um die Erlaubnis zum Aufenthalt in der
Schweiz anfragte, wurde mir diese mit Hinweis auf das bestehende Verbot
verweigert.

So wanderte ich auf der Schweizer Seite nach Konstanz, fuhr zu Schiff
über den Bodensee nach Friedrichshafen, wobei ich infolge eines Sturmes
seekrank wurde. Von Friedrichshafen ging der Marsch zu Fuß über
Ravensburg, Biberach, Ulm, Augsburg nach München. In Württemberg bestand
zu jener Zeit in den Städten die Einrichtung, daß die reisenden
Handwerksburschen ein sogenanntes Stadtgeschenk in Empfang nehmen
konnten, das in der Regel 6 Kreuzer betrug, um sie vom Fechten
abzuhalten. Ich habe dieses Geschenk überall gewissenhaft kassiert. Von
Ulm aus schloß sich mir ein stämmiger Tiroler an, der wie ein Fleischer
aussah, aber ein Schneider war. Statt eines Berliners trug er einen
Militärtornister auf dem Rücken, was ihm, da er auch eine leinene Bluse
trug, ein seltsames Aussehen gab. Da unser Geld knapp war und Fechten
zu keiner Zeit als Schande für einen Handwerksburschen galt, klopften
wir ziemlich häufig die Dörfer ab, die wir passierten. Eines Mittags
hatten wir wieder in einem Dorfe einen strategischen Plan entworfen. „Du
nimmst die rechte Seite, ich die linke!“ hieß es. Als ich in ein Haus
kam und ansprach, erhielt ich von der Tochter mit dem Geschenk zugleich
die Warnung, mich in acht zu nehmen, der Gendarm sei in der Nähe. Das
ließ ich mir gesagt sein und sprach nicht mehr an. Als ich aber außen
vor dem Dorfe ein stattliches Haus stehen sah, allerdings auf der
anderen Seite, das aber aussah, als könnten seine Bewohner zwei
Handwerksburschen unterstützen, konnte ich der Versuchung nicht
widerstehen und marschierte drauflos. Glücklicherweise betrachtete ich
das Haus mir nochmals von außen, ehe ich die sechs oder sieben
Steinstufen hinaufstieg, und da entdeckte ich zu meiner Ueberraschung
über der Tür ein Schild mit dem Inhalt: Königlich bayerische
Gendarmeriestation. Hier ging ich mit Andacht vorbei und legte mich
außerhalb des Dorfes im herrlichsten Sonnenschein auf eine Wiese, um
meinen Reisegenossen zu erwarten. Dieser kam endlich angetrappt und
marschierte direkt auf das Haus los, das ja auf der ihm zugeteilten
Seite lag. Ohne es von außen anzusehen, stieg er die Treppe hinauf und
ging hinein. Ich gestehe, daß ich in diesem Augenblick von einem wahren
Lachkrampf befallen wurde. Nach einigen Sekunden kam aber der Tiroler
zum Hause herausgeschossen, sprang mit einem mächtigen Satze über
sämtliche Treppenstufen und rannte, was ihn die Beine tragen konnten,
davon. Als ich ihn lachend frug, was denn passiert sei, erzählte er: er
sei direkt nach der Kuchel (Küche) gegangen, aus der es sehr gut
gerochen habe, dort aber habe ein Gendarm in Hemdärmeln gestanden und
ihn angeschnauzt, was er wolle. Er habe natürlich die Situation sofort
erkannt und sei spornstreichs zum Hause hinaus.

Anderen Nachmittags kamen wir nach Dachau. Hier machte mein Reisekollege
den Vorschlag, wir sollten beide bei den Schneidermeistern Umschau
halten, was ich ganz gut könnte, da jeder mich für einen Schneider
halte. Es sei hier bemerkt, bei einer Umschau bei den Meistern des
Gewerbes fielen die Geschenke wesentlich reichlicher aus, als wenn man
focht. Gedacht, getan. Vorsichtshalber ließ ich aber dem Tiroler den
Vortritt. Daß dieses klug gehandelt war, zeigte sich sofort. Wir stiegen
in einem Hause die Treppe hinauf und läuteten den Meister heraus. Sobald
der Tiroler sagte: Zwei zugereiste Schneider bitten um ein Geschenk,
antwortete der Meister: Sehr erfreut, ich kann Sie beide gut brauchen,
geben Sie mir Ihre Wanderbücher. Hatte er das Wanderbuch in der Hand, so
war die Sklavenkette geschmiedet, denn alsdann mußte man zu arbeiten
anfangen. Während nun der Tiroler zögernd sein Wanderbuch aus der
Rocktasche zog, machte ich rechtsumkehrt und sprang in großen Sätzen die
Treppe hinunter und zum Städtchen hinaus. Daß ich den Tiroler als
Reisegefährten verlor, bedauerte ich, er war ein guter Kamerad und
angenehmer Gesellschafter gewesen.

Von Dachau führte zu jener Zeit eine schnurgerade Straße, die rechts und
links mit breitgewachsenen Pappeln besetzt war, nach München. Das Bild
der Straße wurde abgeschlossen durch die Türme der Münchener
Frauenkirche, den Heinrich Heineschen „Stiefelknecht“, die am Ende der
meilenlangen Straße zu stehen schienen. Ich wanderte mißmutig meinen
Weg, als hinter mir ein Bauer mit einem Korbwagen erschien, der offenbar
nach München fuhr. Ueber den Inhalt des Wagens war eine große Plane
gedeckt. Der Weg war noch weit und der Spätnachmittag herangekommen. Ich
frug höflich an, ob mir das Aufsitzen gestattet sei. Der Bauer
antwortete in seinem bayerischen Deutsch, das ich damals noch nicht
verstand, aber seine Worte legte ich als Zustimmung aus. Ich stieg also
auf den Wagen und rückte mich behaglich auf der Plane zurecht. Der Bauer
sah wiederholt hinter sich und rief mir einiges zu, was ich aber
ebenfalls nicht verstand. Endlich zogen wir in München ein. Der Wagen
hielt am Karlstor vor einem Kaufmannsladen. Ich sprang ab, zog den Hut
und dankte höflich für die Freifahrt. In demselben Augenblick hatte der
Bauer die Plane zurückgezogen, an der jetzt ein mehrere Pfund schwerer
Butterklumpen klebte. Ich hatte, ohne es zu wissen, mit den
Stiefelabsätzen in einem nur mit der Plane bedeckten Butterfaß
herumgearbeitet. Sobald ich das angerichtete Unheil sah, wurde ich
blutrot, bat um Verzeihung und erklärte mich bereit, den Schaden zu
ersetzen. In demselben Augenblick erfolgte eine Lachsalve zweier junger
Mädchen, die aus einem Fenster der ersten Etage sahen und das Schauspiel
beobachtet hatten. Das machte mich noch verlegener. Der Bauer aber half
mir rasch aus der Verlegenheit, indem er auf mein Angebot, Schadenersatz
zu leisten, grob antwortete: „Mach', daß du fortkommst, du hast a nix!“
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen; in wenigen Sätzen war ich um die
Ecke in der Neuhauser Straße. So oft ich nach München ans Karlstor
komme, fällt mir dieser Vorgang wieder ein.

In München war ich am Tage nach Schluß der siebenhundertjährigen Feier
der Gründung der Stadt angekommen, eine Feier, die eine ganze Woche
gewährt hatte und an die sich unmittelbar das Oktoberfest anschloß. Die
ganze Bevölkerung war noch in dulci jubilo, und auf der Herberge in der
Rosengasse, auf der zu jener Zeit noch stark zünftlerische Sitten
herrschten, ging es hoch her. Ich wurde freundlich begrüßt und blieb
eine volle Woche in München, in dem es mir ausnehmend gefiel. Aber so
sehr ich und meine Kollegen sich bemühten, mir Arbeit zu verschaffen, es
war vergeblich. Alle Stellen waren besetzt. Keiner wich. So entschloß
ich mich, nach Regensburg zu wandern. Mit noch einem Reisegefährten, der
ebenfalls nach dort wollte, begab ich mich an die Isar, um zu sehen, ob
wir mit einem Floß bis Landshut fahren könnten. Man hatte uns gesagt,
daß wenn wir uns auf dem Floß zum Rudern bereit erklärten, wir gratis
mitfahren könnten und auch Verpflegung erhielten. Das erste war richtig,
das zweite nicht. Die Isar war um jene Zeit wasserarm und hatte
zahlreiche Krümmungen. Mein Reisegefährte — ein Trierer —, der vorne
steuerte und ich hinten, machte überdies seine Sache sehr ungeschickt,
und so fuhren wir einigemal auf den Sand, was den Flößer in Zorn
versetzte, wobei es Schimpfworte regnete. Während einer Ablösung ließ
ich mich mit den Passagieren, Bauersleuten und einem Pfarrer, in ein
politisches Gespräch ein, das von meiner Seite so hitzig geführt wurde,
daß der Flößer drohte, „den verdammten Preiß“ in die Isar zu werfen,
wenn er nicht aufhöre, zu disputieren. Ich schwieg, denn mit dem Wasser
der Isar im Oktober Bekanntschaft zu machen, hatte ich keine Lust. Als
wir in Mosburg, einige Stunden vor Landshut, gegen Abend landeten,
schlugen wir uns seitwärts in die Büsche. Wir hatten von der Fahrt
genug.

In dem Nachtquartier, das wir bei dunkler Nacht, empfangen von wütendem
Hundegebell, in einem Dorfwirtshaus fanden, waren alle Räume überfüllt
mit Leuten, die am nächsten Morgen zum Jahrmarkt in Landshut sein
wollten. Wir mußten in der Scheune Platz nehmen, in der bereits einige
Dutzend Männlein und Weiblein durcheinanderliegend Platz genommen
hatten. Kaum lagen wir frierend im Halbschlummer, als wir durch Lärm
geweckt wurden. Eine der Frauen, die bereits im Stroh lag, war Zeugin,
wie ihr Mann der Magd, die ihn mit einer Laterne in der Hand zum
Nachtquartier in die Scheune geleitete, mit einigen derben
Zärtlichkeiten dankte. Darauf hielt sie ihm eine Strafpredigt im
echtesten Bayerisch, die alle Schläfer aufscheuchte und großes Gelächter
hervorrief. Morgens, es war noch pechfinster, suchten wir unseren Ausweg
aus der Scheune, wobei wir gewahr wurden, daß wir beide, die wir auf der
Höhe eines Heuhaufens uns quartiert hatten, während der Nacht auf
entgegengesetzten Seiten heruntergerutscht waren.

In Regensburg fand ich mit einem gleichfalls zugereisten Kollegen aus
Breslau in der gleichen Werkstatt Arbeit. Man hatte mir abgeraten,
dieselbe anzunehmen, der Meister sei in ganz Bayern als der größte
Grobian bekannt. Ich ließ mich aber nicht abschrecken.

In Regensburg erlebte ich nicht viel Bemerkenswertes. Im Kreise der
Fachgenossen, in dem ich verkehrte, war mit Ausnahme des Breslauers
keiner, der höhere geistige Bedürfnisse hatte. Wer am meisten trank, war
der Gefeiertste. So gingen wir beide die meisten Sonntagabende ins
Theater, in dem wir natürlich auf den Olymp stiegen, auf dem der Platz 9
Kreuzer kostete. Eines Tages wollten wir aber auch in der Woche uns ein
bestimmtes Stück ansehen. Das war aber undurchführbar, weil der Schluß
unserer Arbeitszeit mit dem Beginn des Theaters zusammenfiel. Wir gaben
also unserer Köchin gute Worte, das Abendessen eine halbe Stunde früher
anzurichten, wir würden die Uhr in der Stube entsprechend vorrücken.
Damals gab es in Süddeutschland und Oesterreich bei den Meistern stets
warmes Abendessen. Nach dem Essen kleideten wir uns rasch um und
stürmten nach dem Theater. In demselben Augenblick, in dem wir von der
einen Seite in dasselbe traten, kam von der anderen Seite der Meister
mit seiner Frau, und in demselben Augenblick schlug auch die Uhr auf
einer benachbarten Kirche sieben. Jetzt wäre erst unsere Arbeitszeit zu
Ende gewesen. Wir waren verraten. Merkwürdigerweise sagte der Meister am
nächsten Tage zu uns kein Wort, aber zur Köchin äußerte er: „Hören Sie,
Kathi, nehmen Sie sich vor den Preißen in acht, die haben gestern abend
die Uhr um eine halbe Stunde vorgerückt.“

Von Regensburg aus stattete ich auch einen Besuch der Walhalla ab, die
oberhalb Donaustauf von der Bergeshöhe einen weiten Blick in die Ebene
gewährt. Bekanntlich ist Ludwig I. von Bayern, der „Teutsche“, der
Erbauer der Walhalla, in der zu jener Zeit unter den aufgestellten
Büsten der Berühmtheiten diejenige Luthers fehlte.

Der Winter von 1858 auf 1859 war ein sehr langer und strenger. Hohe
Kälte setzte bereits Mitte November ein. Ein Streit mit dem Meister
veranlaßte mich, schon am 1. Februar, trotz Kälte und Schnee, auf die
Reise zu gehen. Der Breslauer schloß sich mir an. Wir marschierten
zunächst nach München, woselbst wir abermals vergeblich um Arbeit
anklopften. Nunmehr marschierten wir weiter über Rosenheim nach
Kufstein. Der Eintritt nach Oesterreich machte uns Kopfzerbrechen.
Damals wurde an der Grenze von jedem Handwerksburschen, der nach
Oesterreich wollte, der Nachweis von fünf Gulden Reisegeld verlangt.
Diese hatten wir aber nicht. So verfielen wir auf die Idee, von der
letzten bayerischen Station die Bahn nach Kufstein zu benützen. Um
möglichst als Gentlemen auszusehen, putzten wir extrafein unsere Stiefel
und Kleider und steckten einen weißen Kragen auf. Unsere List hatte den
gewünschten Erfolg. Unser sauberes Aussehen und die Tatsache, daß wir
mit der Bahn ankamen, täuschte die Grenzbeamten; sie ließen uns
unbeanstandet passieren. Bei starker Kälte und meterhohem Schnee ging
die Reise zu Fuß durch Tirol. Die Kälte und der Schnee trieben die
Gemsen aus dem Gebirge herab, deren Lockrufe wir auf dem Marsch in der
Abenddämmerung hörten. Sehr verwundert waren wir, beim Fechten reichlich
Geld zu erhalten, und zwar Kupferstücke in der Größe unserer heutigen
Zweimarkstücke. Als wir am ersten Abend in das Gasthaus traten, trugen
wir schwer an der Last der erfochtenen Münzen. Als wir aber am nächsten
Morgen unsere kleine Rechnung beglichen, mußten wir den halben
Wirtstisch mit diesen Kupfermünzen bedecken. Es stellte sich heraus, daß
dieselben in wenig Wochen wertlos wurden, weil die österreichische
Regierung neue Münzen herausgegeben hatte. So löste sich das Rätsel von
der großen Freigebigkeit, man war froh, das wertlos werdende Geld los zu
sein.

Endlich marschierten wir nach einer Reihe Tage über Reichenhall direkt
nach Salzburg, das wir an einem Nachmittag bei wundervollem Sonnenschein
erreichten. Wir standen wie gebannt, als wir bei dem Marsch um einen
niederen Gebirgsrücken (den Mönchsberg) die Stadt mit ihren vielen
Kirchen und der italienischen Bauart, überragt von der Feste Salzburg,
vor uns liegen sahen.

Was mir im späteren Leben als ein Rätsel erschien, war, daß ich von all
den Märschen, bei denen ich oft bis auf die Haut durchnäßt wurde und
jämmerlich fror, nie eine ernste Krankheit davontrug. Meine Kleidung war
keineswegs solchen Strapazen angepaßt, wollene Unterwäsche war ein
unbekannter Luxus und ein Regenschirm wäre für einen wandernden
Handwerksburschen ein Gegenstand des Spottes und Hohnes geworden. Oft
bin ich morgens in die noch feuchten Kleider geschlüpft, die am Tage
vorher durchnäßt wurden und am nächsten Tage das gleiche Schicksal
erfuhren. Jugend überwindet viel.

In Salzburg fand ich Arbeit, wohingegen mein Reisegefährte, nachdem ich
ihm mit dem Rest meines Geldes nach Kräften ausgeholfen, weiter nach
Wien reiste. In Salzburg verblieb ich bis Ende Februar 1860. Bekanntlich
ist Salzburg nach seiner Lage eine der schönsten Städte Deutschlands,
denn damals gehörte es noch zu Deutschland; aber es steht im Rufe, im
Sommer sehr viel Regentage zu haben. Eine Ausnahme machte der Sommer
1859, der wunderbar genannt werden mußte. Der Sommer 1859 war aber auch
ein Kriegssommer. Der Krieg zwischen Oesterreich auf der einen und
Italien und Frankreich auf der anderen Seite war in Norditalien
entbrannt. Dadurch wurde das Leben in Salzburg insofern besonders
interessant, als Massen Militär aller Waffengattungen und Nationalitäten
singend und jubelnd nach Südtirol zogen. Einige Monate später kamen die
Armen niedergedrückt als Besiegte zurück, gefolgt von Hunderten von
Wagen mit Verwundeten und Maroden. Zunächst aber herrschte
siegesfreudige Zuversicht. Ich war über die politischen Ereignisse so
aufgeregt, daß ich an Sonntagen, für andere Tage hatte ich weder Zeit
noch Geld, nicht aus dem Café Tomaselli ging, bis ich fast alle
Zeitungen gelesen hatte. Als Preuße hatte man zu jener Zeit in
Oesterreich einen schweren Stand. Daß Preußen zögerte, Oesterreich zu
Hilfe zu kommen, sahen die Oesterreicher als Verrat an. Als guter
Preuße, der ich damals noch war, suchte ich die preußische Politik zu
verteidigen, kam aber damit übel an. Mehr als einmal mußte ich mich vom
Wirtschaftstisch entfernen, wollte ich nicht eine Tracht Prügel
einheimsen. Als dann aber die freiwilligen Tiroler Jäger aus Wien,
Nieder- und Oberösterreich nach Salzburg kamen und auch dort ihr
Werbebureau aufschlugen, packte mich die Abenteurerlust. Mit noch einem
Kollegen, einem Ulmer, meldeten wir uns als Freiwillige, erhielten aber
die Antwort: daß sie Fremde nicht brauchen könnten, nur Tiroler fänden
Aufnahme. War es nun hier nichts mit dem Mitdabeisein, so entschloß ich
mich, als jetzt verlautete, daß Preußen mobil mache, mich in der Heimat
als Freiwilliger zu melden. Ich schrieb sofort an meinen Vormund: er
möge mir zu diesem Zwecke einige Taler Reisegeld senden. Nach einiger
Zeit kam auch das Geld — sechs Taler — an, aber jetzt bedurfte ich
desselben als Reisegeld nicht mehr, denn mittlerweile war der Friede
von Villafranca geschlossen worden. Der Krieg war zu Ende. Dagegen
leistete mir das Geld gute Dienste, als ich im nächsten Frühjahr nach
Wetzlar reiste.

Die Löhne waren auch in Salzburg — wie überall in der Drechslerei —
schlechte. Da war sparen schwer. Ich hatte mir im Spätherbst den ersten
Winterrock auf Abzahlung gekauft; und als gewissenhafter Mensch sparte
ich nicht nur, ich darbte, um die wöchentlichen Raten zahlen zu können.
Dabei drückte mich noch eine große Sorge. Die Arbeit war knapp, und ich
fürchtete, als Jüngster in der Werkstatt nach Neujahr die Kündigung zu
erhalten. Das hatte die Meisterin durch meinen Kollegen erfahren. Als
ich nun ihr und dem Meister am Neujahrstag gratulierte, gab sie mir die
tröstliche Versicherung, daß ich bis zu meiner Heimreise in Arbeit
bleiben könne. Damit fiel mir ein Stein vom Herzen. Unwillkürlich dachte
ich an den Neujahrsempfang, den der österreichische Gesandte, Baron von
Hübner, das Jahr zuvor bei der Gratulationscour in den Tuilerien gehabt
hatte, bei der die Ansprache Napoleons an Hübner als die Einläutung zum
italienischen Krieg angesehen wurde.

In Salzburg bestand ein katholischer Gesellenverein mit über 200
Mitgliedern, unter denen sich nicht weniger als 33 Protestanten, fast
alle Norddeutsche, befanden. Ich trat ebenfalls dem Verein bei, aus den
schon oben angeführten Gründen. Präses des Vereins war ein Dr. Schöpf,
Professor am dortigen Priesterseminar. Schöpf war ein junger,
bildschöner Mann mit einem äußerst liebenswürdigen und jovialen Wesen.
Er soll dem Jesuitenorden angehört haben. Schöpf wußte natürlich, daß
eine Anzahl Protestanten seinem Verein angehörten.

In einer Vereinsversammlung erklärte er eines Tages offen, daß ihm die
Protestanten die liebsten seien, weil sie zu den fleißigsten Besuchern
des Vereins gehörten. Jeden Sonntag abend hielt er einen stets stark
besuchten Vortrag, der ein reiner Moralvortrag war, den jeder, wes
Glaubens er immer war, ohne Bedenken besuchen konnte. Ich wurde mit Dr.
Schöpf bekannt, und auf seine Einladung besuchte ich ihn öfter Sonntag
nachmittag in seiner Wohnung, wo wir uns namentlich über die Zustände in
Deutschland und Oesterreich unterhielten, und er überraschend freie
Anschauungen äußerte.

Weihnachten rückte heran, und es sollte wie üblich vom Verein eine
Weihnachtsfeier veranstaltet werden. Im Verein hatte sich eine kleine
Musikkapelle und ein Gesangverein gebildet. Diese sollten bei jener
Gelegenheit Vorträge zum besten geben. Außerdem sollten nach Dr. Schöpfs
Vorschlag eine Anzahl Mitglieder, die verschiedenen deutschen
Volksstämmen angehörten, Deklamationen vortragen. Ich wurde als
Repräsentant der Rheinländer hierzu ausersehen. Ich hatte ein Gedicht
„Die Zigarren und die Menschen“ vorzutragen. Die Uebungen fanden in Dr.
Schöpfs Wohnung statt, wobei er uns mit Bier und Brot regalierte. Bei
diesen Uebungen passierte mir, daß ich fast immer einen Fehler im
Schlußreim machte, indem ich ein Wort anwandte, das wohl zum Reim, aber
nicht zum Sinne des Gedichtes paßte. Dr. Schöpf warnte mich
nachdrücklich, doch ja am Festabend den Fehler nicht zu machen. Der
Festtag (19. Dezember) kam. Dem Fest wohnte eine illustre Gesellschaft
bei! Der Fürstbischof von Salzburg, der Abt von Sankt Peter und eine
Anzahl anderer Geistlicher, auch Vertreter der Behörden. Endlich kam
auch mein Vortrag an die Reihe. Kurz vor meinem Auftreten ermahnte mich
Dr. Schöpf nochmals, mich ja in acht zu nehmen, was ich ihm feierlichst
versprach. Aber mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu
flechten, und das Schicksal eilet schnell. Abermals machte ich den
Sprechfehler, worauf im Hintergrund des Saales Dr. Schöpfs Arm
auftauchte, der mir mit der Faust drohte. Das Unglück war aber
geschehen, ich glaube, die meisten haben es nicht einmal bemerkt. Im
übrigen verlief die Feier sehr gemütlich, und ich ging, ohne Schaden an
meiner Seele genommen zu haben, vergnügt nach Hause.

Im März ist der St. Josefstag, der in Oesterreich ein hoher Feiertag
ist. St. Josef ist, wie ich schon anführte, der Schutzpatron der
katholischen Gesellenvereine. Einige Zeit vor diesem Tage hielt Schöpf
eine eindringliche Rede an die katholischen Mitglieder des Vereins, daß
sie an diesem Tage vollzählig zur Kirche gehen möchten. Er wisse wohl,
äußerte er, daß junge Leute sich gern darum drückten, aber diesmal gehe
es nicht, man dürfe ihn nicht blamieren, denn die Kaiserin — die Witwe
des Kaisers Ferdinand, die in Salzburg wohnte —, die viel für den
Verein tue, werde es sicher erfahren. Den Nachmittag, setzte er
schmunzelnd hinzu, machen wir dann eine Wallfahrt nach Maria-Plain, ein
Wallfahrtsort, dessen Kirche auf einem Hügel mitten in der Ebene, eine
gute Stunde von Salzburg, prachtvoll gelegen ist. Dort werde auf Kosten
der Kasse ein Faß Bier ausgelegt, das zweite zahle er, er sei sicher,
hierbei fehle niemand. Alle lachten. Ich glaube, er behielt recht. Die
Wallfahrt fand statt, wir Nichtkatholiken marschierten wohlgemut und
vollzählig im Zug, hinter der Fahne, die der Altgeselle trug, auf der
der heilige Josef mit dem Christkind auf dem Arme abgebildet war. In
Maria-Plain angekommen, besahen wir uns die überreich geschmückte
Kirche. Dann ging es zum Trunk. Die Fässer wurden rasch geleert, gar
mancher ging wankenden Schrittes nach Salzburg zurück. Der Zug war
aufgelöst. Wie die Fahne mit dem heiligen Josef wieder nach Salzburg
kam, weiß ich bis heute nicht.

Dr. Schöpf, ich und ein Hannoveraner traten zusammen den Rückweg an. In
der Stadt angekommen, führte er uns in ein Café, in dem wir eine Partie
Billard spielten. Es war für mich die erste und letzte, die ich in
meinem Leben spielte. Natürlich verloren wir zwei, aber Dr. Schöpf
zahlte.

Ende Februar 1860 reiste ich nach Hause. Einige dreißig Jahre später
schickte mir ein Ritter v. Pfister aus Linz einen Brief nach Berlin, in
dem es hieß: er habe nach Berlin reisen wollen und habe bei dieser
Gelegenheit mir einen Gruß vom Domherrn Dr. Schöpf in Salzburg
überbringen sollen, er sei aber durch Krankheit an der Reise verhindert
worden, so schicke er mir brieflich dessen Gruß. Wieso Dr. Schöpf sich
meiner erinnerte, ist mir ein Rätsel geblieben. Er konnte unmöglich
annehmen, daß der neunzehn- bis zwanzigjährige junge Drechslergeselle —
wenn er sich überhaupt dessen entsann — der spätere sozialdemokratische
Reichstagsabgeordnete war. Solch tiefen Eindruck hatte ich sicher nicht
auf ihn gemacht. Ich nehme vielmehr an, daß Kollegen aus dem Zentrum,
denen ich gelegentlich meine Salzburger Erlebnisse erzählte, den
Domherrn davon unterrichtet hatten. Als ich Anfang dieses Jahrhunderts
nach langer Zeit wieder einmal nach Salzburg kam, war Dr. Schöpf einige
Jahre zuvor gestorben. Die joviale, heitere Natur und die volle
Lebensfreude soll er sich bis an sein Ende bewahrt haben.

Ich will die Mitteilungen über meinen Salzburger Aufenthalt nicht
schließen, ohne noch eines Vorgangs zu erwähnen, der damals unter uns
jungen Leuten erzählt und viel belacht wurde. Zu jener Zeit lebte im
Sommer König Ludwig I. von Bayern, der bekanntlich wegen der
Lola-Montez-Affäre die Regierung niederlegte, in Schloß Leopoldskron, in
nächster Nähe Salzburgs. Der König, ein hoch aufgeschossener Herr, der
im grauen Sommeranzug, den Kopf mit einem großen, etwas ramponierten
Strohhut bedeckt und mit einem starken Krückstock in der Hand, öfter an
unserer Werkstatt vorbeipassierte, liebte es, in der Umgebung Salzburgs
allein Spaziergänge zu machen. Eines Tages machte er wieder einen
solchen und sieht, wie ein Knabe sich abquält, Aepfel von einem Baume
herunterzuwerfen. Der König tritt zu dem Knaben und sagt: „Schau, das
mußt du so machen!“ und schleudert seinen Krückstock mit bestem Erfolg
in die Aeste des Baumes. Das hatte aber aus dem in der Nähe liegenden
Hause die Bäuerin beobachtet, die jetzt hochrot vor Zorn in die Tür trat
und dem König, den sie nicht kannte, zurief: „Du alter Lackl, schamst di
net, den Buam bein Aepflstehln z'helfe!“ Der König nahm seinen
Krückstock und trollte sich von dannen. Am nächsten Morgen erschien ein
Diener und brachte der Bäuerin einen Gulden mit der Bemerkung: das sei
für die Aepfel, die gestern der Herr vom Baum geschlagen habe. Auf ihre
Frage, wer denn der Herr gewesen sei, erfolgte die sie höchst
überraschende Antwort: der König Ludwig.

Wenn ich hier einen verstorbenen Bayernkönig des Obstfrevels bezichtige,
will ich wahrheitsgemäß hinzufügen, daß auch ich in dieser Beziehung
nicht ohne Fehl und Sünde war. Es waren die prachtvollen Pfirsiche im
Mirabellengarten, der dem Fürstbischof gehörte, die es mir angetan
hatten. Ich konnte bei mehreren Spaziergängen in dem Garten der
Versuchung nicht widerstehen, einige der Früchte mir anzueignen. Ich
nehme an, dem Fürstbischof hat mein Obstfrevel nicht geschadet, und mir
bekamen die Früchte vorzüglich. Auch meine Gewissensbisse verschwanden,
als ich las, daß der heilige Ambrosius, der gegen Ende des vierten
Jahrhunderts Bischof von Mailand gewesen war, geäußert habe:

„Die Natur gibt alle Güter allen Menschen _gemeinsam_; denn Gott hat
alle Dinge geschaffen, _damit der Genuß für alle gemeinschaftlich sei_.
Die Natur hat also das Recht der Gemeinschaft erzeugt, und es ist nur
die _ungerechte Anmaßung_ (usurpatio), die das Eigentumsrecht erzeugte.“

Konnte mein Tun glänzender entschuldigt, ja gerechtfertigt werden?




Zurück nach Wetzlar und weiter!


Am 27. Februar 1860 trat ich die Heimreise an. Bahnen gab es zu jener
Zeit im südöstlichsten Bayern noch nicht, außerdem reiste damals der
Handwerksbursche am billigsten zu Fuß, wenn er sich ein bißchen mit aufs
Fechten verlegte. Das Wetter war wieder miserabel. Als ich eines Tages
bei stürmischem Schneewetter, das mir ins Gesicht schlug, die Hände in
den Hosentaschen, den Stock unter dem Arme und die Hutkrempe ins Gesicht
gezogen, auf der Straße über den fränkischen Landrücken stapfte, wurde
ich plötzlich am Arm gepackt und in den Straßengraben geschleudert. Als
ich verwundert aufschaute, war es das Pferd vor einem mir
entgegenkommenden Fuhrwerk, das mich klugerweise am Arme gepackt und
beiseite geschleudert hatte. Bei dem stürmischen Wetter hatte ich das
herankommende Fuhrwerk weder gesehen noch gehört.

Um Mitte März kam ich nach mehr als zweijähriger Abwesenheit wieder in
Wetzlar an.

Bei der Militäraushebung wurde ich wegen allgemeiner Körperschwäche um
ein Jahr zurückgestellt. Dasselbe passierte mir die nächsten Jahre bei
der Gestellung in Halle a.S., so daß ich schließlich als
militäruntauglich entlassen wurde. Einstweilen trat ich, da eine
Arbeitsstelle in Wetzlar nicht zu haben war, bei einem jüdischen
Drechslermeister in Butzbach, zwei Meilen von Wetzlar, in Arbeit. Als
aber die Jahreszeit immer schöner wurde und eines Tages drei meiner
Schulfreunde mit dem Berliner auf dem Rücken in die Werkstatt traten und
mir mitteilten, daß sie sich auf der Wanderschaft nach Leipzig befänden,
„da zog es mich mächtig hinaus“, wie es im Handwerksburschenlied heißt,
und ihnen nach. Ich versprach meinen Freunden, binnen drei Tagen zu
folgen, und hoffte sie einzuholen, falls sie nicht zu große Märsche
machten. Ich konnte dieses Angebot riskieren, denn im Marschieren war
mir zu jener Zeit keiner über.

Ich hatte bisher nicht die geringste Sehnsucht gehabt, Leipzig und
Sachsen kennen zu lernen, und wäre es auf mich angekommen, ich hätte
damals Leipzig und Sachsen nicht gesehen. Und doch war diese Reise in
mehr als einer Richtung entscheidend für meine ganze Zukunft. So
entscheidet sehr oft der Zufall über das Schicksal des Menschen.

Ich möchte hier einschalten, daß ich von dem Satze: der Mensch ist
    
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